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Knechtstedener Theatersommer in Dormagen startet großartig mit Lars Redlich.

Dormagen : Furioser Theatersommer mit Lars Redlich

Der Gast aus Berlin lieferte treffende Spitzen und sorgte für Hochstimmung.

Der Theatersommer in der Scheune am Kloster hätte am Freitagabend mit dem Auftritt von Lars Redlich nicht besser starten können. „Ein bisschen Lars muss sein“, lautete das griffige Motto, in dem unüberhörbar der Spaß mitschwang. Das Publikum war liebend gern bei der Sache. „Politisches ist nicht so das Ding unserer Besucher“, umschloss Olaf Moll, Leiter des Kulturbüros Dormagen, gleich das komplett bis zum 4. August währende Programm, „man will Komödien, und recht sind auch Comedy und Musikshow.“

Schon vor dem Lars-Redlich-Auftritt war die Stimmung erwartungsvoll aufgekratzt, und sie steigerte sich zu einem gewaltigen Crescendo bei all diesem improvisierenden Witz, seiner selbstgestrickten Musikshow und dem fantasievollen Einbeziehen des Publikums im seit Wochen ausverkauften Haus. Der Berliner Lars Redlich hatte offenbar vor zwei Jahren mit seiner Solo-Show einen so nachhaltigen Eindruck hinterlassen, dass die Gäste als sichtbaren Beweis eine Riesenschlange vor dem Einlass bildeten. Die ungezügelte Lust am Mitmachen spielte eine Rolle, auch die Bewunderung für den sich gelegentlich selbst überholenden Akteur und das beherrschende erfinderische Agieren. Vom routinierten Abspulen des immer Gleichen war da keine Spur, sondern alles holte die ganz und gar auf Unterhaltung gepolten Zuhörer originell ab. Meist lustig, aber auch schon mal abgelöst von ernsten Passagen zelebrierte Lars Redlich den Abend. Seine Spitzen saßen, aber sie taten keinem weh.

Mit Sprüchen wie „Sie rasten jetzt bitte noch einmal aus, ja?“ fachte er die Stimmung an. Sein teils in rasendem Tempo vorgetragener, rhythmisch unterlegter Sprechgesang folgte der anspruchsvollen Devise „Kein Magerquark für einen ausgehungerten Frosch“. Stattdessen war das Publikum anspruchsvoll gefordert und ließ sich das auch gern gefallen. Mitsingteile wurden spontan angenommen, die Story von der Mückenplage in Berlin im Vorjahr („Ich mag Tiere, aber wäre ich sie doch wieder los“) kam an. Sein Bericht übers frische Verliebtsein überzeugte („… habe gleich gespürt, dass auf dem Topf der Deckel sitzt“). Wie Schroeder von den Peanuts sitzt der sprachgewaltig musizierende Solokünstler übers Klavier gebeugt und schleudert einen Gag nach dem anderen heraus.

Nach der Pause ist tatsächlich noch einmal eine Steigerung drin, für die Redlich während dieser halben Stunde komponiert hatte. Denn aus zugeworfenen Stichwörtern wie Königspudel und Schlauchboot konstruierte er eine eindrucksvoll gestrickte Urlaubsgeschichte. Ententanz, Polonaise, Break-Dance gipfeln in einem furiosen Finale. Der „Englishman in New York“ wird zu einem Riesending verfremdet, bevor das absolute Ende mit Musik auf Zuruf kommt.Tatsächlich stemmt Lars Redlich mit dieser „Jukebox“ dann noch einmal 15 Stücke.