Kein Rathaus-Campen mehr in Rommeskirchen für Bauwillige

Baugebiete in Rommerskirchen : Nie wieder „Rathaus-Campen“

Mit einer Änderung der Vergaberichtlinien will die Gemeinde den Grundstücksverkauf für Bauwillige weniger strapaziös gestalten. Übernachtungen im Rathaus sollen künftig nicht mehr nötig sein.

Mit dem „Rathaus-Campen“ soll es ein Ende haben. Am Donnerstag wird der Rat erneut die Vergaberichtlinien für den Verkauf von gemeindeeigenen Grundstücken ändern. Mit der Abschaffung des so genannten „Windhund-Prinzips“, bei dem bislang derjenige zum Zuge kam, der zuerst vor Ort war, soll das „Rathaus-Camping“ nicht nur eingedämmt, sondern „künftig ganz ausgeschlossen werden“, wie Carsten Friedrich sagt, der als Fachbereichsleiter Planung, Gemeindeentwicklung und Mobilität nicht zuletzt für die Grundstücksgeschäfte der Gemeinde zuständig ist.

Seit anderthalb Jahrzehnten war es fast schon guter Brauch: Standen bei der Gemeinde Grundstücksverkäufe an, dann übernachteten Interessenten auch schon mal im Rathaus, um auch ja anderntags zum Zuge zu kommen. „Wir lassen niemandem im Regen stehen“, lautet ein fast von geflügeltes Wort von Rathaussprecher Elmar Gasten. Waren ein bis zwei Übernachtungen lange Zeit die Regel, sprengte im Herbst 2018 der Verkauf von gerade einmal zehn Grundstücken für das Baugebiet Gillbachstraße II jeden bisher bekannten Rahmen. In einem Fall harrte ein Grundstückskäufer 14 Tage lang aus, während die meisten „Rathaus-Camper“ mindestens drei bis vier Nächte hinter sich hatten, bis der lang ersehnte Verkaufstag erreicht war. Sogar das Fernsehen wurde damals auf das „Rathaus-Camping“ aufmerksam, bei dem Fernseher und Kaffeemaschinen ebenso wie Feldbetten, Schlafsäcke und Luftmatratzen für Mitarbeiter und Besucher der Verwaltung ein seit langem vertrautes Bild waren.

Bürgermeister Martin Mertens hatte schon im Herbst 2018 angekündigt, über eine Änderung des zunehmend spektakulärer werdenden Verfahrens beim Abverkauf der Grundstücke nachzudenken. Demzufolge sollten sich Bauwillige ihre Anwartschaftschaftsrechte durchaus frühzeitig sicher können, ohne vor dem Verkaufstermin mehr oder weniger lange Quartier im Rathaus machen zu müssen.

Die anstehende Ratsentscheidung – sie dürfte einstimmig ausfallen – befindet sich denn auch keineswegs zufällig auf der Tagesordnung, sondern aus aktuellem Anlass. Demnächst nämlich geht es um den Verkauf der Grundstücke für das neue Baugebiet Deelen II, wie Carsten Friedrich verrät. Das bisherige Prinzip, wonach derjenige, der zuerst mahlt, auch zuerst an die Reihe kommt, wird Friedrich zufolge „durch ein Punktesystem ersetzt, bei dem gewisse Kriterien eine Rolle spielen.“ Die sind so ausgestaltet, dass auch Einheimische eine Chance gegen womöglich finanzkräftigere Mitbewerber haben, die nicht aus der Gemeinde kommen. Dies war bei dem bis vor etwa anderthalb Jahrzehnten geltenden Bieterverfahren nicht gewährleistet: Örtliche Bauwillige kamen dabei häufiger nicht zum Zuge.

Ziel ist es nach den Worten von Gemeindeplanerin Maria Greene mit der Neuregelung „eine gerechte und transparente Verteilung der Grundstücke zu gewährleisten“, wobei es um die Einführung von „nachvollziehbaren und sozial gerechten Kriterien zur Vergabe von Grundstücken“ gehe.

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