Kabarettist Mathias Tretter trat in Rommerskirchen auf

Kulturcafé in Rommerskirchen : Kabarettist Tretter und das Zeitalter der Amateure

In der evangelischen Kirchengemeinde liebt man das Kabarett. Das Kulturcafé startete jetzt in seine 28. Spielzeit. Treffender, bitterböser, aber auf jeden Fall spaßiger Wortwitz kommt dabei immer gut an.

Mathias Tretter beherrscht diese Klaviatur und hat sich längst als großer Meister seiner Zunft erwiesen. In Eckum trat er jetzt zum dritten Mal auf.

Die Zeiten sind danach, wie der vorwitzige Kabarettist laufend durchblicken ließ, dass sie nur noch mit humoriger Satire zu ertragen sind. Vor ausgebuchtem Saal ging es von Anfang an zur Sache. Obwohl das Witzeln in dieser Art gar nicht nötig war, schließlich ist Tretter hochwillkommen, bahnte schon der erste Jux den Weg für die folgenden zwei Stunden. Kaum auf der Bühne, da brauste Applaus für den Alleinunterhalter auf. „Mehr als ich erwartet habe“, untertrieb er. In allem, was er sagte und tat, kam eine Menge Überzeugung über. Seine neu erworbene Brille stört ihn, weil er auf keinen Fall wie ein Intellektueller aussehen mag. Eggheads, Politiker schon gar, Spießer sowieso – sie alle bekommen ihr Fett weg.

Tretter präsentierte sich immer im wahnwitzigen Sprechtempo, die Sketche bis zum Letzten ausreizend und doch meist die größten Effekte dadurch erzielend, dass er oft improvisierte. Gelegentlich wurde es deftig. Wenn Tretter beispielsweise die Seuche der um sich greifenden Anglizismen aufgriff oder behauptete, Schwule hätten sich früher anders genannt, nämlich Priester, wurde es beißend gallig. Das Zeitalter der Amateure sei angebrochen, verkündete der Kabarettist. Festzumachen sei das an Donald Trump, den seine Landsleute gerade deshalb ins Präsidentenamt befördert hätten. Helene Fischer erfreue sich ebenso großer Verehrung, obwohl sie anhaltend auf der Suche nach ihrem musikalischen Ausdruck sei.

Wie Verschwörungstheorien ins Kraut schießen, das ist auch ein lohnendes Sujet. Und so ging es weiter und weiter. Mit der „Dilettanz auf dem Vulkan“, mit „Blödeleien in oberster Populistik“. Die Besucher spendeten stürmischen Beifall.

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