Kabarett in Rommerskirchen: Wilfried Schmickler gewohnt spitzzüngig

Kabarett in Rommerskirchen : Wilfried Schmickler begeistert in Eckum

In der fast 30-jährigen Kabarett-Reihe lieferte Wilfried Schmickler einen der Höhepunkte.

Im ausverkauften Kulturcafé sorgte jetzt Wilfried Schmickler mit seinem Programm „Kein Zurück“ für einen der Höhepunkte in der fast 30-jährigen Geschichte der Kabarettreihe. Mit seinem vierten Auftritt in Eckum nach 1993, 2005 und 2010 hat er mit Manes Meckenstock gleichgezogen, der die „Rekordliste“ bisher allein anführte.

Sein Publikum hatte der bekennende i-Phone-Gegner Schmickler von Beginn an fest im Griff: Seiner Aufforderung, die „Apparillos“ auszuschalten, kamen die Gäste gehorsam nach. Der Schnellsprecher- und -denker entzündete ein derart virtuoses Pointen-Feuerwerk, dass zwei Stunden lang höchste Konzentration erforderlich war, ihm zu folgen. Wer Schmickler nur in seiner Rolle als Rausschmeißer bei den „Mitternachtsspitzen“ kannte, dürfte verwundert gewesen sein, dass er sich, ob in Monologen, Liedern oder Gedichten auch auf leise Töne versteht – nicht nur wenn er Hanns Dieter Hüschs Kultfigur Hagenbuch rezitiert. Wem den Begriff der „Verbotspartei“ bisher allzu negativ vorgekommen sein mag, konnte sich von Schmicklers „Was verboten gehört“ eines Besseren belehren lassen. Wem die Verbote immer noch zu negativ erscheinen mögen, der wird sich spätestens von den annähernd „25 Vorschlägen zur Verfreundlichung der Welt“ überzeugen lassen: Erlebnisurlaube für AfD-Wähler in ausgewählten Asylzentren in Syrien, Eritrea oder Afghanistan könnten da ebenso Wirkung entfalten wie Bibelstunden für Hassprediger.

Wohl etwas allzu optimistisch ist Schmicklers soziale Utopie: „Es müssen gar nicht alle von uns Millionäre werden. Es reicht, wenn einige von uns das schaffen, die dann mit den anderen teilen.“ Hoch entwickelt ist die Fähigkeit des Kabarettisten, Ekel vor politischen und gesellschaftlchen Phänomen zu empfinden, wie etwa dem „Sondermüllfernsehen der Privaten“, in dem bestens betuchte Zeitgenossen mal vier Wochen auf Hartz-IV-Niveau leben, um dann die Bezieher von Arbeitslosengeld II mit dümmlichen Redensarten zu verhöhnen.

Ausgiebig Lob hatte Schmicker für das Team des Kulturcafés in petto, das fast drei Jahrzehnte lang hervoragende Arbeit leiste. 2020 steht die 30. Saison ins Haus, der 30. Geburtstag ist im März 2021 fällig.

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