Kabarett in Rommerskirchen: "Onkel Fisch" führt Populisten vor

Kabarett in Rommerskirchen : Kabarett-Duo „Onkel Fisch“ führt Populisten vor

Adrian Engels und Markus Riedinger traten in Eckum auf.

Eckum Das größte Kompliment für ihren Auftritt im Kulturcafé dürfte Adrian Engels und Markus Riedinger entgangen sein. „Mein Gott, welch ein Genuss“, schwärmte eine schon ältere Besucherin beim Verlassen des evangelischen Gemeindezentrums, wo das Duo Engels/Riedinger alias „Onkel Fisch“ zuvor ein zweistündiges Gag-Feuerwerk abgebrannt hatte, für das es vielfach mit offenem Szenen-Applaus bedacht wurde.

„Populisten haften für ihre Kinder“ lautet der Titel ihres Programms, in dem die beiden „Action-Kabarettisten“ nicht zuletzt eins zeigen: AfD, Pegida, Identitäre oder Reichsbürger – was immer die „Volksgenossen“ so ausbrüten, mag unerfreulich, bedrohlich, ja sogar gefährlich sein, ist doch aber vor allen Dingen erst einmal lächerlich. Ein „deutsches Volk“, wie es sich Rechtsextremisten gern malen, gibt es nämlich gar nicht, wie die beiden in einer virtuosen Rechnung klar machen: Ein deutsches Volk im Sinne der „Blut- und Boden-“Denker“ passe in einen VW-Bus. Mag sich die bräunliche Prominenz auch in den Talkshows tummeln, für Onkel Fisch sind die eigentlich Verantwortlichen für den Rechtsruck die „Dawimadonosadüs“, Zeitgenossen, die ihre geistige Notdurft zumeist nach der Floskel „Das wird man doch noch sagen dürfen...“ verrichten. „Angst ist bekanntermaßen das beste Schmiermittel für rechte Propaganda, zumal, wenn sie sich auf – zuweilen sogar richtige – Statistiken stützt. Eine davon besagt, dass pro Jahr in Deutschland alle fünf Minuten irgendwo eingebrochen wird. Eine andere – genauso richtige – Statistik hat ergeben, dass jeder Haushalt 410 Jahre darauf warten müsste, bis dort eingebrochen wird.

Zu den Höhepunkten des Programms zählten unzweifelhaft die Musik- und Kino-Persiflagen. Bei der „Alten Deutschen Welle“ wird Herbert Grönemeyers „Männer“ kurzerhand durch „Merkel“ ersetzt und von Engels mit einer irrwitzigen Tanzeinlage garniert. Bei den Filmen sind die „Drei Musketiere“ der Favorit von „Onkel Fisch“, bei dem Riedinger als „D‘Artagnan/Emmanel Macron brilliert, der mit dem Degen der rechten Gefahr zu Leibe rückt. Dass es bei allem Ernst dennoch darum geht, nicht den Kopf zu verlieren, machen die beiden gegen Ende mit ihrem Appell deutlich, die Ruhe zu bewahren, da all die genannten „Phänomene“ ja schließlich bei allem von ihnen veranstalteten Lärm keine Mehrheit hätten.

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