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Rommerskirchen: Jugendliche vom Komasaufen abhalten

Rommerskirchen : Jugendliche vom Komasaufen abhalten

Die Auftaktveranstaltung für die Aktion "PROJugend statt PROmille" erfreute sich großer Resonanz. Im April und im Juni bieten Jugendamt, Polizei und Caritas Schulungen für die Vereine und deren Trainer und Betreuer an.

Alkoholmissbrauch von Jugendlichen ist zu einem gravierenden Problem geworden. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: So landen im Neusser Lukaskrankenhaus inzwischen jährlich 100 und mehr volltrunkene Jugendliche und junge Erwachsene. 2002 waren es 20. Diesem Trend entgegenwirken wollen die Polizei, das Kreisjugendamt und die Caritas mit dem Aufklärungsprojekt "PROJugend statt PROmille", das jetzt auch in Rommerskirchen startete.

Über Mangel an Resonanz brauchten die Initiatoren beim Auftakt nicht zu klagen: Bei der von Bürgermeister Albert Glöckner moderierten Diskussion im Ratssaal fanden sich gut 30 Vertreter aus den Karnevals-, Sport- und Schützenvereinen, aber auch anderen Einrichtungen wie etwa der Feuerwehr ein. "Spaßelemente" sollen bei dem Gemeinschaftsprojekt nicht fehlen, wie Kreisjugendamtsleiterin Marion Klein betonte. "So sind Jugendliche besser zu erreichen als mit dem Zeigefinger", urteilte sie.

Wolfgang Burchartz vom Kommissariat Vorbeugung der Kreispolizei "erfand" die Aktion: Beim Euregio-Projekt "Grenzenlos lernen" hat er es in den Niederlanden entdeckt, wo es sehr erfolgreich war. Die deutsche Variante lässt anders als das Nachbarland das Kiffen außen vor: Auch so genannte weiche Drogen sind hierzulande illegal, so dass das Programm ausschließlich beim Alkohol ansetzt. Starten wird es nicht zufällig zu Beginn der Schützenfestsaison im Mai, enden soll es nach Karneval im März 2014. Das durchaus ehrgeizige Ziel besteht nach den Worten von Michael Hackling vom Kreisjugendamt darin, den übermäßigen Alkoholkonsum Jugendlicher zu verringern und so der Suchtentwicklung Paroli zu bieten.

Im Visier haben die Verantwortlichen insbesondere das "Komasaufen", bei dem die Exzesse so weit getrieben werden, bis tatsächlich der Arzt kommt. Zu diesem Zweck wollen die Initiatoren der Aktion im April und Mai Jugendbetreuer und Jugendtrainer der Vereine schulen. Dabei werden sie unter anderem Argumentationshilfen geben, wie sich der Ausschank von Alkohol an Jugendliche verringern bzw. vermeiden lässt. Laut Wolfgang Burchartz sollte es bei einer solchen Schulung "maximal 30 Teilnehmer" geben. Eingesetzt wird auch das "PREventMobil" der Caritas, das Besuchern der Ansteler Halloween-Party bereits bekannt ist. Es werden Terminabsprachen nötig sein, wie Friedhelm Müller von den Eckumer Bürgerschützen deutlich machte: Erfahrungsgemäß tauchten Jugendliche erst nach 22 Uhr in Festzelten auf, so dass ein Einsatz des Info-Mobils nur sinnvoll sei, wenn er auch in den Nachtstunden erfolge. Laut Reinhard Griese vom Jugendamt soll es flexible Lösungen geben. "Wir sind nicht ganz die Zielgruppe", meinte Günter Debets, Vorsitzender des Turnvereins Rommerskirchen, dem mit knapp 1500 Mitgliedern größten Verein der Gemeinde. Der überwiegende Teil davon sind Kinder und Jugendliche, wobei aber angesichts von Sportarten wie Schwimmen und Turnen das "ritualisierte" Trinken so gut wie unbekannt ist. Laut Michael Bonaventura von der Rommerskirchener Feuerwehr wird in den Löschzügen über die Aktion gesprochen, um Schulungsteilnehmer zu gewinnen.

(NGZ)