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Rommerskirchen: In Anstel wird scharf geschossen

Rommerskirchen : In Anstel wird scharf geschossen

Auch wenn sein Vereinssitz Mönchengladbach ist, so hat der Sportschützenverein Rheydt-Odenkirchen seit fast zwei Jahrzehnten in Anstel ein Zuhause gefunden. Wer Mitglied werden will, hat eine lange Ochsentour vor sich.

Der Weg in einen Schützenverein ist vergleichsweise einfach. Doch wie wird jemand ein Sportschütze? Ganz einfach, meint der Vanikumer Klaus Barsikow: "Zum Probeschießen mitnehmen, der Funke springt über. Dann viel üben." Kurz und prägnant beschreibt er damit den Werdegang manch eines Mitglieds des Sportschützenvereins Rheydt-Odenkirchen. Etwa den von Ulrich Schmitz: "Zum Schießen sind eigentlich nur 20 Prozent Talent nötig, der Rest ist hartes Training" , sagt der Butzheimer, der seit knapp 20 Jahren dabei ist. Auch wenn der Vereinssitz Mönchengladbach ist: Ihr Training halten die Sportschützen nach einem eher kurzen Intermezzo in Neuss seit den frühen 1990er Jahren auf dem Schießstand der Ansteler Schützenhalle ab.

Etliche Rommerskirchener machen in dem Verein mit, stark repräsentiert sind auch Polizisten und Mitarbeiter der Kreisverwaltung. Nach wie vor aktiv ist der 86-jährige Josef Liebertz, der den SSV einst mitgegründet hat. In Anstel wird jeden Freitag scharf geschossen – was natürlich besondere Anforderungen an die Sicherheit stellt. Damit, dass die gesetzlichen Bestimmungen mehrfach verschärft worden sind, lässt es sich Ulrich Schmitz zufolge wunderbar leben. Die in den vergangenen Jahren verstärkte Diskussion um den Schießsport werde zwar innerhalb des Vereins geführt, Mitglieder hat sie ihn nicht gekostet. Streng wie das Gesetz sind auch die Prozeduren für die Aufnahme: Wer sich für den Sport interessiert, muss ein Jahr regelmäßig trainieren. "Wir machen uns dann ein Bild von seiner Persönlichkeit und seinem Charakter", erläutert Schmitz. Erst wenn auch diese Hürde passiert ist, wird ein Mitglied aufgenommen. Dann muss er sich ein weiteres Jahr bewähren, ehe er eine Waffenbesitzkarte beantragen kann: Die berechtigt ihn dazu, eigene Schusswaffen zuhause aufzubewahren.

Die schlechten Erfahrungen, die die Sportschützen in dieser Hinsicht gemacht haben, halten sich in Grenzen: Vor nicht ganz zehn Jahren "haben wir jemandem nahegelegt, den Verein zu verlassen, weil er persönlich nicht geeignet war", berichtet Ulrich Schmitz. Die Faszination des Schießsports: "Man kann von allem anderen abschalten", sagt Dietmar Kröning.

Ulrich Schmitz vergleicht es mit dem Schachspiel, wobei beim Schießen auch die körperliche Leistung hinzu komme. "Allenfalls eine Stunde" lässt sich nach den Worten von Hubert Siewers auf gleichbleibend hohem Niveau schießen. Beim SSV ist dies keineswegs Männersache: Neben Kassiererin Ulla Gössing verstehen sich zwei weitere Frauen auf Kimme und Korn.

(NGZ/jt)