Rommerskirchen: Hilfe für Projekte in Afrika kommt aus Gill

Rommerskirchen : Hilfe für Projekte in Afrika kommt aus Gill

Die Hilfsorganisation "Nachhaltige Entwicklung in Afrika" wurde 2006 von Studenten ins Leben gerufen.

Einen eigenen Verein hat das gut 550 Einwohner zählende Gill zwar nicht, dennoch ist dort der offizielle Sitz der bundesweit verbreiteten und international agierenden Organisation "Nachhaltige Entwicklung in Afrika — NEIA". Schon deren Gründung kam unter Umständen zustande, die die Ortsgrenzen Gills förmlich sprengen.

Mit Afrika hatte sich Nicole Bauer erstmals intensiver beschäftigt, als sie in Berlin Internationale Politik studierte. Bis zur Idee, selbst eine Hilfsorganisation zu gründen, dauerte es noch etwas. "Die Idee entstand im Sommer 2006 in Peking am Schreibtisch", erinnert sich Nicole Bauer, die Jahre lang den Vorsitz von NEIA innehatte. Mit dabei waren damals acht Studenten, unter ihnen auch Nicole Bauers Mann Christoph. "Wir wollten uns sozial engagieren, sind dabei aber immer nur auf große Organisationen gestoßen", sagt Nicole Bauer, die nach wie vor stellvertretende Vorsitzende von NEIA ist. Der Verein sollte gerade auch junge Leute ansprechen, die sich mit womöglich nur kleinen Beträgen engagieren können. Ein wichtiges Motiv war insbesondere, alle Spenden ohne aufwendigen Verwaltungsapparat in vollem Umfang für ausgewählte Projekte zur Verfügung stellen zu können. Gezielt sucht sich NEIA dafür Ziele aus, wo große Hilfsorganisationen gar nicht oder kaum präsent sind.

Der aktuell mehr als 120 Mitglieder zählende Verein ist bei jeweils zwei Hilfsprojekten in Ghana und Uganda sowie einem in Namibia präsent. Um Waisenkinder kümmert sich NEIA laut Nicole Bauer ebenso wie um einen Schulbau oder die Vergabe von Mikrokrediten an Frauen in Ghana. "Die Leute sind in den vergangenen Jahren auf uns aufmerksam geworden", sagt Bauer. Dabei konnte NEIA auch Kooperationspartner gewinnen wie die Lufthansa Health Alliance oder die renommierte Firma Knorr-Bremsen. Wert legt NEIA darauf, dass die jeweiligen Projekte nach Möglichkeit von Afrikanern selbst initiiert werden. Dabei achten Mitarbeiter vor Ort darauf, dass das zur Verfügung gestellte Geld auch bestimmungsgemäß gebraucht wird. Das Spendenaufkommen sei im Laufe der Jahre auch dank der Erfolgskontrollen "drastisch gestiegen", berichtet Bauer. Ihr selbst "ist es irgendwann zu viel geworden". Den Vorsitz von NEIA hat sie inzwischen an einen mit ihr weder verwandten noch verschwägerten Namensvetter aus Frankfurt abgegeben: Jörg Bauer ist in Sachen NEIA im gesamten Bundesgebiet unterwegs und konnte dabei etliche neue Mitglieder gewinnen. Als Stellvertreterin hat Nicole Bauer sich keineswegs aus der konkreten Arbeit zurückgezogen. Zumindest einen Verbündeten für die Sache von NEIA hat sie in dem aus Frixheim stammenden Autor Matthias Gerhards gefunden: Der wird am Samstag im Rahmen einer "Wohnzimmerlesung" bei Nicole Bauer in Gill erstmals in Rommerskirchen aus seinem im Sommer erschienenen Roman "Gott ist kein Zigarettenautomat" lesen: Die Besucher der Lesung werden um Spenden für NEIA gebeten, während Gerhards den Erlös für Bücher, die bei dieser Lesung gekauft werden, NEIA zu Gute kommen lassen will.

(NGZ)
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