Hahnenstreit von Rommerskirchen-Villau ist nun beim Landgericht

Rommerskirchen-Villau: Kläger gehen in Berufung: Landgericht muss „Hahnenstreit“ entscheiden

Die Kläger gehen gegen das Urteil des Amtsgerichts Grevenbroich in Berufung. Das hatte am Krähen des Hahns nichts zu beanstanden.

Der Nachbarschaftsstreit um den Hahn von Rolf und Waltraud Moser geht in die nächste Runde. Gegen das Ende August ergangene Urteil des Amtsgerichts Grevenbroich, wonach das Krähen des Sperberhahns „Simaul“ rechtskonform ist, hat Kläger-Anwalt Peter Wingerath namens seiner Mandantin Berufung beim Landgericht Mönchengladbach eingelegt.

Der Grevenbroicher Anwalt macht mehrere Gründe hierfür geltend, dass das Verfahren „noch nicht urteilsreif“ gewesen sei: Zum einen sei das im Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens beantragte Schallschutzgutachten vom Amtsgericht nicht eingeholt worden. Wingerath bezweifelt zudem die Aussagekraft der bei einem Ortstermin Anfang August gewonnenen Erkenntnisse zum „Krähverhalten“ des Hahns: Der musste bei dem vormittags anberaumten Termin erst durch Hühnertöne zum Krähen animiert werden, die ihm eine Rechtsreferendarin auf dem Handy vorspielte.

Peter Wingerath zufolge spiegelt dies die Intensität des nächtlichen Krähens von „Simaul“ nicht zutreffend wider. Hinzu kommt, dass er die für ein Urteil maßgebliche „Ortsüblichkeit“ bestreitet: An der Hellenbergstraße werde kein anderer Hahn gehalten, und auch landwirtschaftliche Betriebe gebe es dort nicht.

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„Meines Erachtens bedarf es der Einholung eines Gutachtens nicht, da schon der Vortrag der Klägerin ergeben hat, dass es keine wesentliche Beeinträchtigung gibt“, sagt Norbert Gand, der das Ehepaar Moser anwaltlich vertritt. Die Krähgeräusche wertete das Amtsgericht in seinem Urteil als bloße „Nebengeräusche“, die folglich nicht wesentlich im Sinne des Gesetzes seien. Zudem hält Gand das Krähen eines Hahns in Villau sehr wohl für „ortsüblich“: So haben seine Mandaten stets darauf verweisen, dass sich nur gut einen Kilometer entfernt in Ramrath der Betrieb des „Gänsepeters“ befinde.

Für eine Ablehnung hätte allein schon die vom Gericht bejahte Unwesentlichkeit der Lärmbelästigung genügt. Zudem hat es aber auch die Ortsüblichkeit ausdrücklich bejaht. Für das Amtsgericht handelt es sich beim Ortsteil Villau nämlich um „ein stark ländlich geprägtes Gebiet“, wobei das „Gesamtgepräge dörflich sei“, wie es in der mündlichen Urteilsbegründung hieß.

Norbert Gand ist vor diesem Hintergrund „ziemlich zuversichtlich, dass das Landgericht ebenso entscheiden wird wie das Amtsgericht.“ Offen ist, wie lange es bis zu einem etwaigen Prozesstermin dauern wird: Peter Wingerath mag hierzu keine Prognose abgeben, während für Norbert Gand ein halbes Jahr durchaus realistisch ist, wenngleich ein früherer Termin denkbar sei. Mit Bedauern, aber ohne Überraschung, haben die Beklagten auf die Berufung reagiert: „Wir haben es befürchtet“, sagt Waltraud Moser angesichts ihrer Erfahrung mit dem bereits gut 30 Jahre währenden Nachbarschaftsstreit.

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