Rommerskirchen: Gutes Betriebsklima hilft bei Inklusion

Rommerskirchen: Gutes Betriebsklima hilft bei Inklusion

Beim 16. Unternehmerforum des Wirtschaftsbüros der Gemeinde ging es um die Chancen behinderter Menschen auf dem Arbeitsmarkt.

Mit etwa 105 Beschäftigten zählt der Seniorenpark "carpe diem" zu den größten Arbeitgebern innerhalb der Gemeinde. Grund genug für deren Wirtschaftsförderung, das inzwischen 16. Rommerskirchener Unterforum erstmals in dem im Frühjahr 2014 eröffneten Seniorenhaus stattfinden zu lassen.

carpe-diem-Leiter Carsten Wohlfarth und Melanie Glücks vom LVR informierten die Gäste, Foto: Lothar Berns

Wie geeignete Arbeitsplätze für Behinderte geschaffen werden sollen, ist für Carsten Wohlfarth, der dass carpe diem seit Ende 2014 leitet, alles andere denn eine theoretische Frage: Insgesamt elf Menschen, die in unterschiedlichem Grad mit Behinderungen leben, arbeiten im carpe diem, "Es sind die Mitarbeiter, die am beständigsten arbeiten und am wenigsten ausfallen", sagte Wohlfarth.

Zu diesen Mitarbeitern zählt etwa Werner Kuhn: Der Fleischermeister konnte aus körperlichen Gründen nicht mehr in seinem erlernten Beruf arbeiten und hat es nie bereut, dass er im September 2014 im carpe diem anheuern konnte: "Mit 52 noch einen Job zu finden, ist gar nicht so einfach", sagt Kuhn. Seine Arbeit im Küchenteam des carpe diem ist zumindest nicht völlig berufsfremd, und damit, dass sie ihm Spaß macht, hat nicht zuletzt das gute Verhältnis zu seinen Kollegen zu tun. Werner Kuhn kann etwa seine linke Hand nur eingeschränkt nutzen, und da ist es für die übrigen Mitarbeiter in der Küche dann keine Frage, ihm bei entsprechenden Anlässen zu helfen. Um die gut 60 Unternehmer gebührend bewirten zu können, war es morgens in der Küche schon etwas früher los gegangenen, nämlich um 5.30 Uhr.

Einen Überblick über mögliche Förderungsmittel für Unternehmen gab Melanie Glücks vom Integrationsamt des Landschaftsverbands Rheinland (LVR). Schon angesichts der demografischen Entwicklung sei mit "einer steigenden Anzahl von Menschen mit Behinderung zu rechnen", sagte die Expertin.

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Ein ganz zentrales Problem sind die schlechteren Chancen am Arbeitsmarkt: "Trotz höherer Qualifikation und hoher Motivation sind über 50 Prozent der Menschen mit Behinderung über ein Jahr lang arbeitslos." Unterschieden werden müsse dabei unter anderem auch zwischen körperlichen und psychischen Behinderungen.

Für Arbeitgeber, die Menschen mit Behinderungen einstellten, gebe es finanzielle Förderungen, die etwaige Nachteile ausglichen, erläuterte die LVR-Vertreterin. "Zuschüsse zur Sicherung der Beschäftigung", was mehr oder weniger gleichbedeutend mit Lohnkostenzuschüssen ist, sind nur ein Beispiel hierfür. Insgesamt gebe das LVR-Integrationsamt rund 50 Millionen Euro jährlich aus, berichtete Melanie Glücks.

Carsten Wohlfarth lobte die Zusammenarbeit mit dem LVR nicht zuletzt wegen des Mangels an Bürokratie. "Ich musste keine Formulare ausfüllen", erinnerte er sich an den Beginn der Kooperation vor ziemlich genau drei Jahren. Dabei sei "ganze und wirklich gute Arbeit geleistet worden", lautet sein (Zwischen-)Fazit.

(NGZ)