Rommerskirchen: Grüne lehnen radikale Energiewende ab

Rommerskirchen : Grüne lehnen radikale Energiewende ab

Auch SPD und UWG fürchten bei einer vorzeitigen Abschaltung von Braunkohlekraftwerken um Jobs und Wirtschaft.

Auch bei der Rommerskirchener SPD sorgt das "Eckpunktepapier Strommarkt" von Bundeswirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel für Zündstoff. Ralf Steinbach, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, fürchtet, dass eine massive und kurzfristige Stilllegung von Kraftwerken aus wirtschaftlichen Gründen zu einem "Strukturbruch in unserer Gemeinde" führen wird. "Seit langem ist klar, dass die Braunkohleverstromung innerhalb der nächsten Jahrzehnte keine Überlebenschance mehr haben wird und der Wandel zu erneuerbaren Energien weiter auf gutem Vormarsch ist und sich mehr und mehr etablieren wird", sagt Steinbach. Er ist jedoch überzeugt, dass "eine solch radikale Vorgehensweise, die die Folge des jetzigen Eckpunktepapiers sein wird, keine sinnvolle Lösung sein kann, da diese überhaupt keine Rücksicht auf die betroffenen Regionen nimmt."

Für ihn stellt sich die Situation so dar: "Auf der einen Seite gefährdet man unseren Wirtschaftsstandort und setzt dabei die Arbeitsplätze der Region aufs Spiel. Und auf der anderen Seite erhalten wir als Gegenleistung neue Belastungen durch Windenergieanlagen und sollen uns auch noch darüber freuen." Für Steinbach jedenfalls "sieht ein guter Deal anders aus". Bei einer vorzeitigen Stilllegung von Kraftwerken sei "die Gefahr enorm", dass im Kreis und in der Gemeinde "ein massiver Stellenverlust zu erwarten ist". Dies gelte sowohl für die Stromindustrie und die regionalen Zulieferer, aber auch andere mittelständische Unternehmen. Den richtigen Weg sieht Steinbach dagegen in "einem vorbeugenden Strukturwandel", wie ihn das Projekt "Innovationsregion Rheinisches Revier" vorsehe.

Jupp Kirberg (Bündnis 90/Die Grünen) räumt ein, dass "in meiner Brust zwei Seelen schlagen. Wenn ich rein emotional reagierte, wäre es mir am liebsten, die Türme wären sofort weg. Doch sehe ich auch die Notwendigkeit, die Arbeitsplätze und den Wirtschaftsstandort zu erhalten", sagt Kirberg. Er stellt sich "vollinhaltlich" hinter die Position von Landratskandidat Hans-Christian Markert, der sich bei der Rommerskirchener SPD kürzlich für eine Braunkohleförderung bis 2045 ausgesprochen hatte. Dennoch sei es nötig, so schnell wie möglich Ersatzarbeitsplätze zu schaffen.

Norbert Hufschmidt, stellvertretender UWG-Fraktionschef, teilt die Sorgen von Ralf Steinbach um die Arbeitsplätze und den Wirtschaftsstandort. Er sieht jedoch die Gefahr, dass es Gabriels Eckpunktepapier gar nicht bedarf, um diese zu gefährden: " Der Wandel in der Braunkohleverstromung wird sich fortsetzen. Es wird weiterhin die Verstromung in den großen, modernen Kraftwerken geben. Die Anbindung an den Konverter und an das HGÜ- Leitungsnetz werden den Strom bundesweit verteilen", sagt Hufschmidt. Die Konsequenz: "Die kleineren Kraftwerke werden nicht mehr rentabel arbeiten können und auch durch ihren relativ hohen Schadstoffausstoß früher oder später abgeschaltet werden." Stattdessen könnten bei einem Rückbau der Anlagen in der Region neue Gewerbeflächen entstehen, so Hufschmidt.

(S.M.)
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