Rommerskirchen: Große Dürre und Hagelgeschosse

Rommerskirchen: Große Dürre und Hagelgeschosse

Rommerskirchen (S.M.) Die Beschreibung mutet geradezu vertraut an: "Das Gewitter folgte einer voran gegangenen, großen, lang andauernden Schwüle und zog unter anhaltendem Donner und Getöse aus dem Südwesten heran", heißt es mit Blick auf den Rommerskirchener Kirmessonntag - und zwar den vom 30. August 1852.

Wenn ein Schmied im 19. Jahrhundert zur Feder griff, dann war, nicht anders als heutzutage, auch das Wetter ein Thema - und zwar kein kleines, wie die Lokalchronik von Johann Peter Hurtz deutlich macht.

Gemeinde-Archivar Gerd Blaschke hat diese auszugsweise in den beiden jüngsten Ausgaben des "Jahrbuchs für den Rhein-Kreis Neuss" veröffentlicht hat.

Von 1835 bis 1901 erstrecken sich die Aufzeichnungen, die der Rommerskirchener Schmiedemeister und Landwirt Johann Peter Hurtz (1819 - 1901) hinterlassen hat.

Gerd Blaschke sieht in der akribisch geführten Chronik eine "Rarität": In der Regel wurden derartige Chroniken von Geistlichen oder anderen "Standespersonen" und kaum von der "einfachen" Landbevölkerung verfasst.

Blaschke konzentriert sich auf die für die Ortsgeschichte wesentlichen Schilderungen, aber auch der Niederschlag, den die "große" Politik fand, fehlt nicht.

Eingestandenermaßen sind die Interessen des Gemeinde-Archivars nicht meteorologischer Natur und so hat er sich bei den "Wetterberichten" von Hurtz auf besonders markante Beispiele beschränkt.

Das Unwetter vom 30. August 1852 nahm ab 12 Uhr mittags seine Lauf und dauerte bis zum Abend: "Ein fürchterliches Gewitter mit schweren Hagelschossen" vernichtete die auf dem Feld stehende Frucht ebenso wie das Gemüse.

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Womöglich noch verheerender wirkten die "fürchterlichen Hagelschläge, welche die Dörfer Rommerskirchen, Vanicum, Eckum, Buchholz und Winkelheim, weniger Sinsteden, Gyll, Hüchelhoven und Nettesheim im Jahre 1844 getroffen" haben.

Insbesondere die 50-er Jahre des 19. Jahrhunderts haben die Bevölkerung arg mitgenommen, soweit es das Wetter angeht.

1855 beschreibt Hurtz als ein regelrechtes "Unglücksjahr": "Hagelgeschosse von einem halben Pfund Gewicht wurden durch einen nie gekannten Sturm derart niedergeschlagen, dass fast alle Dachziegel zerschmettert wurden, worauf ein Wolkenbruch durch die offenen Dächer die Hausbewohner bis in den Keller trieb."

Die beiden Jahre 1857 und 1858 haben sich "durch eine außerordentliche Dürre ausgezeichnet": Die Ernte vertrocknete und "auch die meisten Brunnen und Teiche waren ausgetrocknet".

"Jahrhundertsommer" mit all ihren zwiespältigen Begleiterscheinungen gab es offensichtlich schon lange, bevor die Meteorologen begannen, kontinuierlich die Temperaturen zu messen.

Infon Erhältlich ist das Jahrbuch für den Rhein-Kreis Neuss in den NGZ-Geschäftsstellen.

(NGZ)
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