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Rommerskirchen: Glöckner verteidigt Kreiselkunst

Rommerskirchen : Glöckner verteidigt Kreiselkunst

Die Europäische Union macht Front gegen Kunstwerke in Kreisverkehren. In Rommerskirchen sollen diese bleiben. Bürgermeister Albert Glöckner will der EU beweisen, dass die Kreiselkunst keine Gefahr darstellt.

Muss die "Rübe" an der Kreuzung der Bundesstraßen 477 und 59 bald abgebaut werden? Ginge es nach der Europäischen Union, könnte der Kunst im Kreisverkehr das Aus drohen. Zu den vielen Dingen, mit denen sich die EU beschäftigt, gehört nämlich auch die Reduzierung der Zahl der Verkehrstoten. Die soll bis zum Jahr 2050 auf Null sinken. "Vision Zero" nennt sich dieses Ziel im EU-Weißbuch Verkehr.

Um es zu erreichen, gibt es seit 2008 eine EU-Verordnung. Auf deren Basis ist etwa in Baden-Württemberg bereits mit der Demontage von Kunstwerken in Kreiseln begonnen worden. Die Gemeinde Rommerskirchen hat Ähnliches nicht vor. Dabei spielt vor allem der Vergleich mit Frankreich eine große Rolle. "In Südfrankreich gibt es fast in jedem Kreisverkehr solche Kunstwerke", sagt Rathaussprecher Elmar Gasten. Auch die UWG-Fraktionsvorsitzende Ulrike Sprenger war kürzlich in Frankreich: "Die haben die Kreisel sehr schön gestaltet. Dass das jemand ablenkt und zu Unfällen führt, kann ich mir nicht vorstellen."

Sprenger verweist darauf, dass "schließlich auch die durchs Ruhrgebiet führende A 40 mit Kunst verschönert werden soll". Der SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Mertens kann verstehen, dass man in Brüssel Idee sammelt, um die Zahl der Verkehrstoten deutlich zu reduzieren. Kunst in Kreisverkehren abzuschaffen, hält er hingegen für "keine sinnvolle Maßnahme." Die Unfallzahlen in Kreisverkehren seien außerordentlich gering, sagt Mertens. Sollte dies in Einzelfällen anders sein, "werden ja auch bisher Maßnahmen ergriffen. Zum Beispiel wird das Kunstwerk dann versetzt." Kunst in Kreiseln lockere das Straßenbild auf: "Kombiniert mit einer ansprechenden Bepflanzung können Kreisverkehre zur Verschönerung ganzer Straßenzüge beitragen", sagt der Sozialdemokrat. Er sei froh, dass das NRW-Verkehrsministerium nicht vorhabe, in Zukunft Kunst im Kreisel zu verbieten.

In NRW soll es dem Ministerium zufolge keinen generellen Erlass, sondern allenfalls eine Einzelfalllösung geben. Bürgermeister Albert Glöckner betont, dass die in den Kreisverkehren aufgestellten Kunstwerke sämtlich mit den Straßenverkehrsbehörden abgestimmt wurden. Unfälle, die auf die Kunstwerke zurückzuführen wären, habe es bislang nicht gegeben, so der Bürgermeister. "Wir in Deutschland haben immer schon neidvoll auf unsere französischen Nachbarn geschaut, die ihre Kreisel seit jeher aufwändig gestalten. Wir haben uns in Rommerskirchen zum Ziel gesetzt, die Kreisverkehre als Visitenkarte der Gemeinde zu gestalten", sagt Glöckner. Er verbindet dies mit einer Einladung: "Gern kann sich ein Vertreter der EU vor Ort überzeugen, ob dies gelungen ist."

(S.M.)