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Rommerskirchen: Gemeindearchiv zum Kreis

Rommerskirchen : Gemeindearchiv zum Kreis

Das Archiv der Gemeinde wandert aus dem Keller der Gillbachschule nach Zons. Politik und Verwaltung betonen die Einspareffekte. Auch Archivar Gerd Blaschke wechselt zum Kreis. Für engagierte Archivnutzer bleiben offene Fragen.

Einst unter anderem vom Landschaftsverband Rheinland hochgerühmt, führt das Gemeindearchiv seit 2005 nur noch ein Schattendasein. Damals musste sein historischer Teil in den Keller der Gillbachschule weichen. Die Erweiterung der Offenen Ganztagsschule machte es nötig, wobei auch Bedenken des Landschaftsverbands nichts an der Verbannung ändern konnten. Jetzt ist das Aus für ein eigenes Archiv der Gemeinde besiegelt. Morgen wird der Rat über seine Übertragung an den Rhein-Kreis Neuss abstimmen. Eine Mehrheit dafür ist sicher.

"Es ist gut, wenn in Zeiten knapper öffentlicher Kassen Städte, Gemeinden und Kreis Kooperationen eingehen und versuchen, Synergieeffekte zu nutzen", sagt SPD-Fraktionschef Martin Mertens. Im Prinzip ist aus seiner Sicht "das Archiv beim Kreis gut aufgehoben". Mertens sieht jedoch auch Probleme darin, "wenn der Kreis alle Aufgaben an sich zieht". Ein Beispiel sei die hitzige Debatte um das Grevenbroicher Ausländeramt. Dem Sozialdemokraten zufolge "muss man immer genau differenzieren, ob es denn auch wirklich preiswerter wird. Denn eines ist klar: Je mehr Aufgaben der Kreis übernimmt, desto mehr steigt die Kreisumlage. Und die zahlen die Städte und Gemeinden." CDU-Fraktionsvorsitzender Stephan Kunz sieht die Übertragung des Archivs positiv: "Finanziell ist dies für die Haushaltskonsolidierung ein schöner Beitrag." Auch Kunz zufolge sollte "die Zusammenarbeit unter den Kommunen genutzt werden, um Synergieeffekte zu erzielen". Der CDU-Fraktionschef verbindet seine Zustimmung mit Kritik an der SPD: "Ich hoffe, dass die parteipolitisch, offenkundig auch persönlich motivierten sowie populistischen Angriffe gegen den Rhein-Kreis Neuss, den Landrat und die Kreistagsmehrheit nun ein Ende finden." Der Kreis sei Kunz zufolge "Partner der Kommunen. Er übernimmt freiwillig Gemeindeaufgaben und trägt die Kosten."

Rathaussprecher Elmar Gasten, als Dezernent bisher auch fürs Archiv zuständig, betont gleichfalls den Aspekt der interkommunalen Zusammenarbeit. Für ihn ist dies die sachgerechteste Lösung. Gemeindearchivar Gerd Blaschke wird zum Rhein-Kreis Neuss wechseln, so Gasten. Zu den eifrigsten Nutzern des Archivs zählte bisher der Geschichtskreis des Seniorennetzwerks 55 plus. Für dessen Sprecher Klaus Erdmann bleiben etliche Fragen offen: "Was wird aus den Abmachungen bezüglich der Digitalisierung der Standesamtsregister und unserer erfolgreichen Veröffentlichungen", so Erdmann. Für die Arbeit mit den Standesamtsakten "haben wir Zuspruch aus vielen Ecken Deutschlands und selbst in den USA gefunden", sagt der Evinghovener. Er fürchtet, "dass wir an das Wissen und die Quellen unseres Archivs nicht mehr herankommen".

(S.M.)