Rommerskirchen: Gemeinde will Nazi-Opfer ehren

Rommerskirchen : Gemeinde will Nazi-Opfer ehren

Der Rat wird morgen beschließen, den von den Nazis erhängten Zwangsarbeiter Georg Zielinski zu ehren. Nun geht es um ein Konzept, in welcher Form dies geschehen soll. Der Geschichtskreis wird bei der Ausarbeitung einbezogen.

Mit seiner Initiative, den am 28. August 1942 von den Nationalsozialisten ermordeten polnischen Zwangsarbeiter Georg Zielinski zu ehren, läuft der Geschichtskreis des Seniorennetzwerks 55plus bei den Fraktionen offene Türen ein. Im Vorfeld der morgigen Ratssitzung haben alle fünf Fraktionsvorsitzenden deutlich gemacht, dass sie sich dem Vorschlag von Klaus Erdmann, Sprecher des Geschichtskreises, anschließen wollen.

Die Sterbeurkunde von Georg Zielinski. Foto: Geschichtskreis Roki

Die SPD wird einen förmlichen Antrag stellen, die übrigen Parteien werden sich ihm dem Vernehmen nach anschließen. Im Juni soll dann ein fraktionsübergreifender Antrag folgen, eine Gedenkstätte einzurichten. Konkret geht es dabei um eine Hinweistafel oder eine Markierung ähnlich den 2008 angebrachten "Stolpersteinen", mit denen in Nettesheim der verfolgten jüdischen Einwohner gedacht wird. Zunächst soll ein Konzept erarbeitet werden — und das gemeinsam mit dem Geschichtskreis, wie SPD-Fraktionschef Martin Mertens sagt. Für Mertens sollte "der tragische Mord, der durch das Engagement der Ehrenamtler aufgeklärt werden konnte, Anlass geben, auch in Rommerskirchen derjenigen Menschen zu gedenken, die von den Nationalsozialisten gefoltert und umgebracht wurden."

Für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Könen "dürfen Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht vergessen werden. Auch nach fast 70 Jahren ist es nicht zu spät, an die schrecklichen Ereignisse des Zweiten Weltkriegs — auch in unserer Gemeinde Rommerskirchen — zu erinnern." Könen begrüßt daher ausdrücklich das Vorhaben des Geschichtskreises.

Gleiches gilt für die UWG-Vorsitzende Ulrike Sprenger sowie Jupp Kirberg von Bündnis 90/Die Grünen. "Wir stimmen mit der SPD überein, dass eine Tafel erstellt und an passender Stelle angebracht werden soll" , erklärt Kirberg. Für "sehr wichtig" hält die FDP-Fraktionsvorsitzende Eva Alice Oßwald die Initiative. "Wichtig ist, ganz klare Front gegen Gewalt zu machen und immer wieder auf die Vergangenheit hinzuweisen. Nur so sind Widerholungen vermeidbar. Schweigen hilft immer nur den Tätern und führt zu möglichen weiteren Gewalttaten", betont die Liberale mit klaren Worten.

Unabhängig von der Ehrung Georg Zielinskis will die FDP demnächst im Ausschuss für Bildung und Kultur beantragen, den "Zug der Erinnerung" auch nach Rommerskirchen zu holen. Eine alte Dampflok und zwei Waggons der einstigen Reichsbahn sind seit 2007 bundesweit unterwegs. Fotos und Dokumente erinnern an Jugendliche, die von den Nationalsozialisten verschleppt und ermordet wurden.

(NGZ)
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