1. NRW
  2. Städte
  3. Rommerskirchen

Rommerskirchen: Führung über aufgemöbelten Bahndamm

Rommerskirchen : Führung über aufgemöbelten Bahndamm

Das Amt für Bodendenkmalpflege informiert am 6. Juli über den Damm, der gerade aufgewertet worden ist.

Seit dreieinhalb Jahren gehört der Gemeinde das größte Teilstück des Strategischen Bahndamms. Möglich wurde die Übernahme von etwas mehr als neun der insgesamt 13 Kilometer Bahndammfläche durch das "Paket-Geschäft" mit der Deutschen Bahn, das auch die aktuell laufende Umgestaltung des Bahnhofsgeländes ermöglicht hat. Von vielen Bürgern wegen seines Freizeitwerts geschätzt, hat der Bahndamm auch historische Bedeutung. Die will das Amt für Bodendenkmalpflege im Landschaftsverband Rheinland am 6. Juli unter dem Motto " Spuren der Geschichte - Archäologie und Erster Weltkrieg" würdigen.

Fachleute des Amts für Bodendenkmalpflege laden zu Führungen über Teilstücke des Bahndamms ein. Die sind von 10 bis 16.30 Uhr vorgesehen. Auch wenn sie in Hülchrath starten, wird dabei auch das Gebiet der Gemeinde betroffen sein. Die Geschichte des mehr als hundert Jahre alten Bahndamms ist skurril. Weder die zivilen noch die militärischen Planungen, die bei seiner Entstehung eine Rolle spielten, wurden jemals realisiert. Auf dem Bahndamm ist niemals ein Zug gefahren. 1907 begannen die Planungen für eine eingleisige Nebenbahn von Rommerskirchen nach Neuss. Die sollte dem lokalen Verkehr und dem Transport der Braunkohle in den Neusser Hafen dienen. Dazu hat Lokalhistoriker Paul-Rolf Essel bereits 1988 im Almanach für den Kreis Neuss einen Aufsatz mit dem Titel "Die Gilbachbahn von Neuss nach Rommerskirchen - Etappen eines gescheiterten Bahnprojektes" veröffentlicht. Erst kürzlich wandte sich Essel anlässlich der Eröffnung des Historischen Wanderwegs in Eckum nachdrücklich gegen die Verwendung des gängigen Attributs "strategisch", die "gleich in mehrfacher Hinsicht geschichtlich verfälscht und in der Wortwahl eindeutig ideologisch überfrachtet ist". Essel widerspricht der lange gängigen Lesart, wonach der Bau des Bahndamms rein militärischen Zwecken gedient habe. Der auch vom Amt für Bodendenkmalpflege zitierte Schlieffen-Plan, in den die Streckenführung einbezogen worden sei, habe dafür keine wesentliche Rolle gespielt, so der Lokalhistoriker. Ursächlich dafür, dass 1913 die Bauarbeiten für eine zweigleisige Strecke starteten, seien wirtschaftliche Gründe gewesen. Die Reichsbahn sei 1911/1912 in eine schwere Transportkrise geraten. Daraufhin habe sie unter massivem Druck auch der damaligen Landkreise Neuss und Grevenbroich "den Ausbau einer Westumgehung des Verkehrsknotenpunkts Köln forciert" , lautet Essels zentrale These.

Beigelegt ist inzwischen das Tauziehen um ein Projekt der Bürgerstiftung. "Wir freuen uns, dass wir es jetzt realisieren konnten", sagt deren Vorsitzender Eckart Roszinsky. Gemeinsam mit Shkoza Gjergj von der Firma Metall Schumacher hat Roszinsky kürzlich acht Sitzbänke auf dem Bahndamm aufgestellt. Meinungsverschiedenheiten mit dem nach wie vor als Pächter agierenden Rhein-Kreis Neuss konnten ausgeräumt werden. Hatte der zunächst eigentlich Holzbänke befürwortet, konnte Roszinsky jetzt doch die von ihm favorisierten Sitzmöglichkeiten aus Drahtgitter installieren. Die sind leichter zu säubern und halten wohl auch länger.

(S.M.)