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Rommerskirchen: Frühjahrsputz für die Vogelwohnungen

Rommerskirchen : Frühjahrsputz für die Vogelwohnungen

Zwei Hobby-Naturschützer kümmern sich seit Jahren ehrenamtlich um die Pflege von über 500 Nistkästen im Rommerskirchener Gemeindegebiet. Nicht jeder Kasten darf dabei geleert und gereinigt werden.

Viel Arbeit haben sich Gottfried Herten Neuen und Siegfried Rudzinski-Neuen da aufgeladen - oder besser aufladen lassen. Die Vogelfreunde und Hobby-Naturschützer kümmern sich seit vielen Jahren um hunderte von Nistkästen, die über das ganze Rommerskirchener Gemeindegebiet verteilt in Bäumen und Sträuchern hängen.

Gerade erst haben sie Inventur gemacht. Genau 308 Bruthilfen sind es zurzeit, 20 weniger als vor zwei Jahren. "Es kommt leider immer wieder vor, dass Nistkästen gestohlen oder mutwillig zerstört werden", sagt Gottfried Herten Neuen. Das tut dem 79-Jährigen in der Seele weh. Denn die Kästen sind für die heimische Vogelwelt eine wichtige Unterstützung bei der Nachwuchsaufzucht. Inzwischen gebe es für fast jede Vogelart eigens konzipierte Behausungen, zum Beispiel für Staren und Meisen, Rotschwänze oder Schnepper, die so gestaltet sind, dass sie es dem räuberischen Specht möglichst schwer machen, fremde Eier oder Junge zu klauen, erklärt Neuen. Besonders große Kästen brauchen Waldkäuze, Turmfalken und Schleiereulen. Finanziert würden die Kästen vorwiegend aus einem jährlichen Etat des Rhein-Kreises Neuss, der vor vielen Jahren eingerichtet worden sei. Davon müssten nun auch die abgängigen Kästen ersetzt werden.

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Ab Anfang November, mitunter bis in den April hinein, sind die beiden Naturschützer mit einer Leiter ausgerüstet im Gelände unterwegs, um an den Wochenenden die Nistkästen zu überprüfen. Das Schleppen der Leiter muss Neuen, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr schwer heben darf, seinem 57-jährigen Sohn überlassen. Bei jeder einzelnen Behausung muss nachgesehen werden, ob sie angenommen wurde und sich in ihr ein Nest befindet. Anhand der Größe, der Bauart und des verwendeten Materials für das Nest kann dann abgelesen werden, welche Vogelart darin gewohnt hat. Dann muss das alte Nest entfernt und der Kasten ausgefegt werden, damit Parasiten wie Vogelflöhe oder Milben vertrieben werden. Über seine Erkenntnisse führt Neuen akribisch Buch. Vor vielen Jahren übernahmen er und Sohn Siegfried die Betreuung eines zunächst nur kleinen Gebietes. "Wir wollten gucken, ob sich die Arbeit überhaupt lohnt", sagt Neuen. Nach und nach haben sie dann - nicht ganz freiwillig nach dem Tod ihres "Amtsvorgängers" - die Pflege für beinahe ganz Rommerskirchen übernommen. "Nur in Gill kümmert sich Erwin Adermann um die dortigen Kästen", sagt Neuen.

Angenommen werden die Kästen ganz unterschiedlich. "In manchen Gebieten haben wir in einem Jahr 90 Prozent Besatz, in anderen Bereichen nur 40 Prozent", schildert Neuen seine Beobachtungen. Händeringend suchen Neuen und Rudzinski-Neuen nach engagierten Unterstützern. Doch die Arbeit ist nicht jedermanns Sache. Denn sie muss bei jedem Wetter gemacht werden. Schön fände er es auch, wenn mehr Bürger im eigenen Garten Nistkästen aufhängen würden.

(NGZ)