1. NRW
  2. Städte
  3. Rommerskirchen

Rommerskirchen: Feldhamster wird wieder angesiedelt

Rommerskirchen : Feldhamster wird wieder angesiedelt

Von 300 Feldhamsterbauten ist der Bestand im Butzheimer Bruch auf aktuell null zurückgegangen. Das soll sich ändern.

Ehe sich Überreste eines römischen Gutshofs fanden, hatte zu Jahresbeginn der bloße Verdacht, es könnten dort Feldhamster zu finden sein, das Baugebiet am Nettesheimer Weg stillgelegt. Seit Mitte 2004 im Butzheimer Bruch die NRW-weit größte Feldhamsterpopulation entdeckt wurde, beschäftigt der possierliche Nager auch die Kommunalpolitik. Ohne dass die in Sachen Hamster allzu viel mitzureden hätte, wie sich 2006 zeigte: Damals "erzwang" der vom Aussterben bedrohte und daher streng geschützte Feldhamster die Verlegung der Trasse für die geplante Umgehungsstraße B 477n. Die sollte eigentlich durch den Bruch führen, während sie jetzt entlang des Bahndamms verlaufen soll. Zuletzt hatte sich der Hamster jedoch äußerst rar gemacht. Aktuell scheint er sogar ganz verschwunden zu sein: "Bei der aktuellen Kartierung in Rommerskirchen konnten 2013 keine Baue gefunden werden", sagt Michael Stevens von der Biologischen Station des Rhein-Kreises Neuss.

2007 waren es noch gut 300 Unterkünfte von Feldhamster, die zwischen Butzheim und Pulheim registriert wurden. "Für das Verschwinden lässt sich nicht eine einzelne Ursache festmachen, manchmal reichen Zufallseinflüsse aus, um eine kleine Population noch weiter zu schwächen", erläutert Stevens. "Ein Problem ist die immer frühere Getreideernte, die unter Umständen in die Zeit fällt, in der der Feldhamster noch bei der Aufzucht seines ersten Wurfes ist", sagt der Diplom-Biologe. Dabei müssten mindestens zwei Würfe aufgezogen werden, um eine Population langfristig stabil zu halten. Ein wohl besonders gravierender Faktor: 2007 wurde das Artenhilfsprojekt Feldhamster beendet und die Maßnahmen in das Kreiskulturlandschaftsprojekt übernommen. "Im Zuge dieser Umstellung gab es aus verschiedenen Gründen Akzeptanzprobleme innerhalb der Landwirtschaft, so dass in dieser Phase nur sehr wenige Flächen feldhamsterfreundlich bewirtschaftet wurden", sagt Michael Stevens.

"Die Jahre 2006 und 2007 waren gute Jahre für den Hamster, bei der Getreideernte habe ich vom Mähdrescher aus etliche Bauten sehen können. Das ist heute nicht mehr so", berichtet der Butzheimer Landwirt Manfred Fünger, der sich seit Jahren an dem freiwilligen Feldhamster-Schutzprogramm beteiligt. Die im Haus der Natur in Knechtsteden ansässige Biologische Station will unter anderem gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer NRW, dem Rheinischen Landwirtschaftsverband und heimischen Bauern diesen Zustand ändern. "Der Feldhamster ist ein lebendiges Stück Heimat, um ihn auch für künftige Generationen zu erhalten, sind große Anstrengungen erforderlich", sagt Michael Stevens. Die sollen mittels des Projekts "Feldhamsterschutz in Mitteleuropa" unternommen werden. Dieses steht im Mittelpunkt eines transnationalen Life+Projektes, das das Haus der Natur für NRW koordiniert. Im Juni hat die belgische RISE-Foundation einen entsprechenden Antrag bei der EU eingereicht. Nachdem das Interesse der Landwirte zeitweilig arg abgeflaut war, sind sie wieder verstärkt an dem Schutzprogramm beteiligt. Nahmen 2010 nur drei Bauern daran teil, waren es bereits ein Jahr später 13.

Zurzeit stehen in Rommerskirchen rund 80 Hektar westlich, östlich und südlich von Butzheim für den Feldhamsterschutz unter Vertrag. Neben der Schaffung eines hamsterfreundlichen Umfelds gehört die Ansiedlung von Feldhamstern, die in den Niederlanden gezüchtet wurden, zu dem Projekt. Michael Stevens zufolge könnte es im Spätsommer 2014 starten.

(NGZ)