1. NRW
  2. Städte
  3. Rommerskirchen

Rommerskirchen: Feldhamster legt neues Baugebiet lahm

Rommerskirchen : Feldhamster legt neues Baugebiet lahm

Im Frühjahr soll am Nettesheimer Weg intensiv nach dem Feldhamster Ausschau gehalten werden. Im Butzheimer Bruch könnten womöglich in den Niederlanden gezüchtete Feldhamster angesiedelt werden.

Eigentlich hätte die Gemeinde mit ihrem Baugebiet am Nettesheimer Weg gleich gegenüber der Gillbachschule schon viel weiter sein wollen. Doch ein alter Bekannter hat für einen einstweiliggen Baustopp gesorgt. Laut Rathaussprecher Elmar Gasten gibt es den Verdacht, "dass hier eine Hamsterpopulation existiert". Es soll sich "angeblich um Feldhamster handeln", teilt der Sprecher mit. Harte Fakten und Beweise für die tatsächliche Existenz einer Hamster-Population fehlen. Doch bereits der bloße Verdacht hat ausgereicht, um den Zeitplan für die Entwicklung des Baugebiets gehörig durcheinanderzubringen. Im Frühjahr, wenn der Feldhamster seinen Winterschlaf beendet hat, soll gründlich nach ihm Ausschau gehalten werden.

Viele hatten das "Hamster-Problem"

Erst wenn er sich auch dann nicht ausfindig machen lässt, können die Arbeiten fortgesetzt werden. Damit reiht sich das Baugebiet am Nettesheimer Weg in eine ganze Reihe großer Projekte ein, die ein "Hamster-Problem" hatten. Nachdem Mitte 2004 im Butzheimer Bruch die landesweit größte Feldhamsterpopulation entdeckt wurde, führte dies zwei Jahre später zur Verlegung der einst geplanten Trasse für die Umgehungsstraße B 477n in die Nähe des Bahndamms. Den Landtag beschäftigte damals sogar die Frage, ob angesichts in Neurath entdeckter Feldhamsterbauten der Bau der BoA-Blöcke in Gefahr sei. Noch 2007 war eine vom Landesbetrieb Straßenbau in Auftrag gegebene Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen, die Hamsterpopulation im Bruch sei beachtlich. Im Frühjahr 2012 wurde der Feldhamster in Butzheim dann plötzlich als verschwunden erklärt.

Michael Stevens von der Biologischen Station in Knechtsteden informierte seinerzeit den Gemeinderat über das Projekt "Feldhamsterschutz in Mitteleuropa" der Rise-Foundation in Brüssel. Gemeinsam mit der Landwirtschaft soll versucht werden, dem streng geschützten Feldhamster in der Region eine neue Heimat zu geben.

Eine Ursache für das Verschwinden des Feldhamsters könnte ein von manchem Landwirt beklagtes Problem sein: Viele Bürger nutzen die Felder als Erholungsgebiet, nicht selten mit frei laufenden Hunden. "Da ist der Feldhamster sehr empfindlich", sagt Franz-Josef Schockemöhle von der nordrhein-westfälischen Landwirtschaftskammer. Der Leiter der Dienststelle in Köln-Auweiler ist federführend für die Umsetzung des Schutzprojekts zuständig.

Mittlerweile ist das Projekt fortgeschritten und hat überraschende Wege eingeschlagen. So spielen holländische Zuchthamster eine gewichtige Rollen. Dennoch: "Der Artenschutz ist eine sehr ernstzunehmende Sache", sagt Franz-Josef Schockemöhle. Ihm zufolge hat die Biologische Station inzwischen den nötigen Förderantrag gestellt: "Das Geld wird in diesem Jahr erwartet", so Schockemöhle.

Denkbar erscheint nun, dass in den Niederlanden gezüchtete Feldhamster auch in Butzheim ein neues Zuhause finden könnten. Dort nämlich gibt es Schockemöhle zufolge ein finanziell gut ausgestattetes Hamsterzuchtprogramm, das vorsieht, die Tiere wieder in ihrer natürlichen Umgebung auszusetzen.

Hier geht es zur Infostrecke: Beispiele aus der Roten Liste

(NGZ/ac/top/url)