Rommerskirchen: Feldhamster ist kaum noch auffindbar

Rommerskirchen: Feldhamster ist kaum noch auffindbar

Die Biologische Station in Knechtsteden will gemeinsam mit örtlichen Landwirten gute Rahmenbedingungen für den Hamster schaffen.

Mitte des vergangenen Jahrzehnts "erzwang" der gesetzlich streng geschützte Feldhamster noch die Verlegung der Trasse für die geplante, sich indes immer weiter hinzögernde, B 477n. Aus dem NRW-weit größten Vorkommen im Butzheimer Bruch ist er inzwischen weitestgehend verschwunden. 2007 hatte es hier noch 300 Feldhamsterbauten gegeben, doch seitdem ist deren Anzahl ständig gesunken: 2016 wurde bei der regelmäßigen Zählung noch ein einziger Winterbau gefunden, 2017 gab es auch den nicht mehr.

"Ich gehe davon aus, dass einzelne Hamster in der Region noch vorhanden sind", sagt Michael Stevens, Leiter der Biologischen Station des Rhein-Kreises Neuss in Knechtsteden. Stevens bemüht sich seit langem, dem schrittweisen Verschwinden des Feldhamsters entgegen zu wirken. Auch in diesem Jahr betreibt er gemeinsam mit der Landwirtschaft ein Projekt zum Hamsterschutz auf der Basis des zu 80 Prozent von der EU geförderten Kreiskulturlandschaftsprogramms. Sechs bis acht Landwirte aus Rommerskirchen und Dormagen beteiligen sich 2018 an dem Projekt. Unter anderem werden fünf Prozent ihrer Getreidefläche nicht abgeerntet. Zudem sollen beim Abarbeiten mindestens 20 Zentimeter große Stoppeln stehen bleiben. Die mitwirkenden Bauern verzichten auf Pflanzenschutzmittel und verpflichten sich, innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren drei mal feldhamsterfreundliche Früchte anzubauen - zumeist ist dies Getreide. Eine weitere Bedingung: Sie dürfen nicht tiefer als 30 Zentimeter pflügen. Feldhamster bewohnen in der Regel Bauten, die 60 bis 80 Zentimeter unter der Erdoberfläche liegen. In Einzelfällen kann es auch schon mal bis zu zwei Meter in die Tiefe gehen. Die Höchstsumme, mit denen die feldhamsterfreundliche Bewirtschaftung honoriert wird, liegt nach Stevens' Auskunft bei 1980 Euro pro Hektar und Jahr.

Verweisen Landwirte als Grund für das Verschwinden der Feldhamster gern schon mal auf die gestiegene Zahl von Greifvögeln, mag Michael Stevens dies so pauschal nicht gelten lassen. Hinzu kommen nach seinen Worten noch weitere Bedingungen, die nur allzu oft erfüllt sind. Eine davon ist die Tatsache, dass immer früher geerntet wird: Teilweise werde schon im Juni gedroschen, Ausfallgetreide gebe es kaum, und vielfach bleiben eben keine Stoppeln auf den Feldern stehen. "Der Feldhamster ist dann den Greifvögeln gegenüber im Prinzip ohne Deckung. Für die sind sie wie ein Stück Schwarzwälder Kirsch in der Auslage", beschreibt Stevens die den Feldhamster gegenüber seinen natürlichen Feinden völlig chancenlos machenden Veränderungen seiner Umwelt.

Dennoch ist es für Michael Stevens "schon sinnvoll, dass man an dem Programm festhält." Stevens glaubt allerdings nicht, dass es in absehbarer Zeit noch einmal eine solche Anzahl von Feldhamstern geben wird, wie sie vor einem Jahrzehnt im Bruch lebten. Genaueres steht in gut einem Vierteljahr fest: Mitte oder Ende April soll die nächste Zählung im Butzheimer Bruch erfolgen.

(NGZ)