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Rommerskirchen: Erster Bestattungsgarten in Nettesheim

Rommerskirchen : Erster Bestattungsgarten in Nettesheim

Der Rat gab einstimmig grünes Licht für das von der FDP initiierte Projekt. Kooperation mit einer Gärtnerei.

Der Wandel der Friedhofskultur hat längst auch den ländlichen Raum erfasst. In Rommerskirchen etwa hat 2012 die Zahl der Urnenbestattungen erstmals die der "klassischen" Erdbestattungen übertroffen. In Kürze wird es mit der Einrichtung eines sogenannten Bestattungsgartens auf dem Friedhof an der Martinusstraße ein neues Angebot geben. "Die Gemeinde trägt damit dem Wandel der Bestattungskultur Rechnung", kommentiert Rathaussprecher Elmar Gasten die anstehende Neuerung. Beisetzungen erfolgen bei Bestattungsgärten in einem gärtnerisch aufwendig gestalteten Bereich.

In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause machte der Rat den Weg dafür frei — und zwar mit den Stimmen aller Fraktionen. Gestartet hatte die Initiative die FDP-Fraktionsvorsitzende Alice Oßwald bereits vor gut zwei Jahren. "Die Idee kam von unserem jüngsten Mitglied, der 23-jährigen Jessica Frohn", sagt die FDP-Fraktionschefin. Pate gestanden haben Vorbilder insbesondere aus Köln.

Ein Ortstermin auf dem Friedhof in Chorweiler hat vor gut einem Jahr auch skeptische Politiker überzeugt, so dass schon 2012 der eigentliche Durchbruch erzielt werden konnte. Dass es dann letztlich doch noch eine Weile dauerte, lag daran, dass die als Kooperationspartner von Alice Oßwald vorgeschlagene Genossenschaft Kölner Friedhofsgärtner ihr ursprüngliches Angebot zurückgezogen hatte. Der Grund: Unwirtschaftlichkeit wegen zu geringer Beerdigungszahlen.

Die Gemeinde hat die Rheinische Treuhandstelle kontaktiert, die sich gemeinsam mit der auch sonst schon auf den Friedhöfen der Gemeinde vertretenen Gärtnerei Krüppel aus Allrath um die Einrichtung und Pflege eines Bestattungsgartens in Nettesheim kümmern wird. Laut Tiefbauamtsleiter Rudolf Reimert wird dazu ein komplettes Grabfeld zur Verfügung gestellt.

Wer eine Grabstelle mietet — dies gilt für Erd- wie Urnenbestattungen gleichermaßen — muss mit dem Kooperationspartner der Gemeinde einen Pflegevertrag schließen. "Nicht Bestandteil dieses Vertrages sind die Bestattungsgebühren. Diese werden weiterhin mit der Gemeinde abgerechnet", erläutert Reimert. Der Gemeinde entstehen keine Kosten, da das wirtschaftliche Risiko ausschließlich beim Kooperationspartner liegen wird. Der Weg für die Einrichtung eines solchen Gartens ist damit frei: Eine Änderung der Friedhofssatzung hatte der Rat bereits im Dezember 2012 vorgenommen.

Initiatorin Alice Oßwald ist höchst erfreut: Dies gilt sowohl angesichts der breiten Zustimmung als auch mit Blick auf die Realisierung des Projekts. Oßwald sieht darin letztlich "einen Fortschritt für alle". Auch für das übrige Kreisgebiet, wo es dem Vernehmen nach noch keinen Bestattungsgarten gibt, hält sie das Rommerskirchener Beispiel für nachahmenswert. "Immerhin wird damit eine Menge Geld gespart", sagt die Liberale. "Familien zerstreuen sich und können sich nicht mehr der Grabpflege widmen. Zudem werden die Leute immer älter", begründet Oßwald, warum sie Bestattungsgärten für "eine Top-Alternative" zu den bisherigen Beerdigungsformen hält. Hinzu komme der ästhetische Aspekt: "Rasengräber sind ja nicht wirklich schön."

(NGZ)