Rommerskirchen: Ersatzmutter für 239 Kinder

Rommerskirchen : Ersatzmutter für 239 Kinder

Insgesamt 239 Kinder kamen in den vergangenen 22 Jahren in ihre Spielgruppe. Zu einigen hat sie heute wieder über Facebook Kontakt. Doch nun, sagt sie, sei es Zeit aufzuhören. Christiane Klütsch verabschieder sich.

So muss es bei den Sieben Zwergen aussehen: Alles sehr sauber und akkurat, die kleinen Stühle aufgereiht wie Zinnsoldaten, die Buntstifte in eine Box gepresst, die Malblätter aufeinander gestapelt. Ordnung muss sein, weiß Christiane Klütsch, das sollen auch die Kleinsten schon mitbekommen. Zwei Räume stellt die 51-jährige gelernte Erzieherin ihrer Gruppe in ihrem Eigenheim zur Verfügung, seitdem ihr ältester Sohn ausgezogen ist. Dort können die Kleinen jeden Mittwoch spielen, toben, frühstücken, aber sich eben auch an gewisse Regeln halten.

Am vergangenen Mittwoch kamen die sechs "Gruppenkinder" im Alter von eins bis zweieinhalb Jahren zum letzten Mal zu ihr. Denn Christiane Klütsch macht Schluss, endgültig – und das eher mit einem weinenden als mit einem lachenden Auge. Zur letzten Gruppenstunde kam auch Sohn Thomas, für den Christiane Klütsch erst auf die Idee kam, die Gruppe ins Leben zu rufen. "Thomas bekam keinen Kindergartenplatz. Doch er musste einfach unter Kinder", erzählt sie. Acht andere Familien hatten das gleiche Problem.

"Wir konnten einen Raum im Oekovener Jugendheim benutzen", sagt die gebürtige Frimmersdorferin. Schnell machte das Spielgruppenangebot die Runde, so dass aus einer gleich drei wurden. Damit wurde das Ganze auch offizieller: Christiane Klütsch meldete sich bei der Familienbildungsstätte an, nahm regelmäßig an Fortbildungen teil, und erhielt fünf Jahre auch einen kleinen Lohn für ihre Betreuung. Doch dann hatte sie wieder den Wunsch, eine Gruppe in Eigenregie zu übernehmen.

"Dadurch, dass die Kinder mittlerweile immer früher in eine Kindertagesstätte gehen, war der Andrang auch nicht mehr so groß", so die Mutter dreier Söhne. Viele Höhen und Tiefen habe sie in den vergangenen 22 Jahren erlebt, denn schwierig war es natürlich für die notwendigen Ausgaben die entsprechenden finanziellen Mittel zu bekommen.

"Zehn große Feste haben wir insgesamt organisiert. Da musste meine ganze Familie mithelfen", sagt Klütsch. Doch nicht den kompletten Erlös hat die Gruppe behalten. "Wir haben oft an die Kinderkrebshilfe Köln gespendet", teilt sie mit. Auch als sie vor zwei Jahren in ihr Haus wechselte, hat sie von den Müttern immer nur eine Bastel- und Getränke-Umlage verlangt. "Ich habe wegen Thomas angefangen. Ich wollte kein Geld", sagt Christiane Klütsch kurz und bündig. Unterstützt wurde sie zur Nikolausfeier übrigens 17 Jahre von einem, wie sie ihn nennt, "Spielgruppen-Vater". Helmut Wolff schlüpfte 17 Mal ins Nikolauskostüm, um die Kinder zu loben, zu ermahnen und zu bescheren. Und Lisa Lessenich half ihr regelmäßig, das Jahresprogramm zusammen zu stellen.

Nun hat Christiane Klütsch Zeit und kann sich unter anderem ihrem Hobby, dem Sticken, widmen. Doch schon überlegt sie: "Wahrscheinlich muss ich mir doch noch etwas anderes für den Mittwoch Morgen suchen."

(NGZ)
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