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Rommerskirchen: Erntekrone aus Karstädt

Rommerskirchen : Erntekrone aus Karstädt

Vier Frauen aus Karstädt haben eine Erntekrone für Rommerskirchen gebaut. Die soll im Erntedankgottesdienst der Samariterkirche zu sehen sein – und am 30. September beim Erntedankumzug, dem ersten seit langer Zeit.

Vier Frauen aus Karstädt haben eine Erntekrone für Rommerskirchen gebaut. Die soll im Erntedankgottesdienst der Samariterkirche zu sehen sein — und am 30. September beim Erntedankumzug, dem ersten seit langer Zeit.

Das gute Stück wiegt rund 50 Kilogramm. Hergestellt wurde es aus den Getreidesorten Gerste, Weizen, Hafer und Roggen: Bis sie vor wenigen Tagen fertiggestellt war, haben Petra Herbon, Andrea Brüning, Doreen Ludemann und Brigitte Jahn gut zwei Monate an der Erntekrone gewerkelt, die sich inzwischen in der Eckumer Samariterkirche befindet.

Die vier Frauen aus der brandenburgischen Partnergemeinde Karstädt sind 700 Kilometer weit gefahren, um die erste Rommerskirchener Erntekrone an den Gillbach zu befördern. Sie wird am 30. September während des Erntedankgottesdiensts der evangelischen Gemeinde präsentiert.

War der Brauch der Erntekrone in Rommerskirchen bislang unbekannt, gilt dies nicht für Erntedank-Festzüge. Pfarrer Thomas Spitzer verweist auf alte Fotos, die dies belegen. Neben der Stiftung eines neuen Brauchs will Spitzer dafür sorgen, dass der alte wiederbelebt wird. "Es soll einen großen Festzug geben", sagt Spitzer. Die "Truppen" hierfür sollen die örtlichen Schützen stellen. Hierum wird sich Bürgermeister Albert Glöckner kümmern.

"Er hat da den besten Draht", sagt Thomas Spitzer. Eine voluminöse Erntekrone war ihm vergangenes Jahr in der evangelischen Kirche in Karstädt aufgefallen. Der Pfarrer hielt sich seinerzeit mit einer Rommerskirchener Delegation bei der 20-Jahr-Feier der Gemeindepartnerschaft in Karstädt auf und war sofort Feuer und Flamme. Nach intensivem Werben beim Landfrauenverein Blüthen erreichte er die Zusage, dass die Erntekrone 2012 nach Rommerskirchen gehen werde. In Karstädt wird diesmal das Exemplar aus dem vergangenen Jahr aufgestellt, wie Andrea Brüning verrät.

In Brandenburg, aber auch in anderen Teilen Deutschlands, ist die Erntekrone ein jahrhundertealter Brauch. "Sie symbolisiert die Ernte des vergangenen Jahres", sagt Doreen Lüdemann. "Wenn die letzte Fuhre eingebracht war, wurde abends getanzt. Dabei wurde die Erntekrone dem Gutsherrn übergeben", erläutert Andrea Brüning. Die Erntekrone fand dann zumeist ihren Platz in der örtlichen Kirche, wie es heute noch in Karstädt der Brauch ist.

Eine Erntekrone kann langlebig sein. Zwar "nadelt" das ehrwürdige Teil ähnlich wie ein Weihnachtsbaum. Bei halbwegs sachgerechter Aufbewahrung allerdings kann sie bis zu 50 Jahre halten. "Eine solche Krone haben wir schon auf einem alten Speicher gefunden", berichtet Andrea Brüning. Geht es nach Elke Griese, dann wird die frisch gelieferte Erntekrone gleichfalls ein ehrwürdiges Alter erreichen. "So ein gutes Stück kriegen wir nie wieder, und wir werden es hegen und pflegen", sagt die Küsterin der Samariterkirche. Elke Giese hofft jedenfalls, "die 50 Jahre noch toppen zu können."

(NGZ/rl)