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Rommerskirchen: Erfolgsmodell Schützenhaus

Rommerskirchen : Erfolgsmodell Schützenhaus

Die Frixheimer Sebastianer gedachten jetzt mit einem Festakt des 20. Jahrestags der Eröffnung ihres Schützenhauses. Alle Beteiligten bezweifeln, dass in der Gemeinde heutzutage ein ähnliches Projekt möglich wäre.

"Jetzt ist er verrückt geworden": Dies war die erste Reaktion des 2000 verstorbenen Pfarrers Johannes Brendgen, als Präsident Matthias Schlömer ihm Anfang der 90-er Jahre von dem Plan der St.-Sebastianus-Bruderschaft berichtete, ein eigenes Schützenhauses zu bauen. Seine Fehleinschätzung korrigierte Brendgen bei der Einweihung des Bruderschafts-Domizils, die sich jetzt zum 20. Mal jährte. Seither ist das Gebäude nicht allein zum Ortsmittelpunkt geworden, sondern zu einem weit über die Gemeinde hinaus reichenden Anziehungspunkt.

In den 90-er Jahren war der damalige Bundesminister Wolfgang Bötsch zu Gast. Im Jahr 2001 fand ein offizieller Empfang der Gemeinde für Joachim Kardinal Meisner in der Schützenhalle statt. Die Sebastianer nahmen den Jahrestag der offiziellen Eröffnung jetzt zum Anlass für eine Feierstunde.

Die Idee zum Bau wurde in den späten 80-er Jahren geboren, wie sich der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Emunds erinnert. "Wir wollten damals in allen Orten, in den es keine Kneipe mehr gab, solche Häuser errichten", sagt Emunds. In Vanikum, aber auch in Sinsteden wurden ähnliche Pläne verfolgt. Als Bürgermeister und dann als Gemeindedirektor forcierte er seinerzeit das Projekt, das eines der letzten seiner Art bleiben sollte. Die Gemeinde kaufte das Grundstück und steuerte 90 000 Mark bei, während von der Sparkasse Neuss 10 000 Mark kamen.

"Ich war drei Monate Präsident, als ich von dem Vorhaben erfuhr", erinnert sich Matthias Schlömer. Mit "ausgeheckt" hatte den Bau des Hauses nämlich sein Vorgänger, der heutige Ehrenpräsident Theo Paschen. Entstanden ist das Gebäude in nur elf Monaten — nahezu ausschließlich in Eigenregie: "Nur die Heizung hat ein externer Handwerker installiert", erinnert sich Schlömer an das Engagement der Schützen. Er selbst glaubt nicht, dass so etwas heute noch möglich wäre.

Ähnlich sieht es Bürgermeister Albert Glöckner, für den das Schützenhaus "ein Symbol ländlicher Lebensqualität ist, wie es in der Großstadt nicht möglich wäre." Heute sei die Gemeinde "finanziell nicht mehr in der Lage", solche Projekte zu stemmen — wobei auch er eine ähnliche Eigeninitiative bezweifelt.

Ihr Schützenhaus ist für die Frixheimer Sebastianer alles andere als ein Klotz am Bein. An nahezu jedem Wochenende ist es , zumeist für private Feiern wie Hochzeiten und Geburtstage, ausgebucht. Die Schützen selbst nutzen ihr Domizil an mehreren Tagen in der Woche. Auch bei den befreundeten Vereinen erfreut sich das Schützenhaus großer Beliebtheit.

(NGZ/rl)