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Rommerskirchen: Eisenbahn zum Anfassen

Rommerskirchen : Eisenbahn zum Anfassen

Laut und wackelig ging es am Sonntag beim Tag der offenen Tür des Feld- und Werksbahnmuseum Oekoven her. Die Touren mit der alten Diesellok zogen über 500 Besucher zum Museum, das in Zukunft noch ausgebaut werden soll.

"Die Weichen sind gestellt, die Strecke ist frei. Los geht es", knarzt die Stimme von Marcus Mandelartz dumpf aus dem Walkie-Talkie. Im Führerhäuschen der tonnenschweren, grünen Lok bestätigt Uwe Schade den Funkspruch des Zugführers und lässt den Anlasser warm werden. Mit einem Ruck legt er den Hebel um und schwarzer Rauch steigt zum Himmel. Es riecht nach Diesel. Da startet der Motor. Immer schneller wird das Rattern, bis es zu einem lauten, gleichmäßigen Ton wird. Der Zugführer lässt noch einen schrillen Warnpfiff ertönen, da bewegt sich der Koloss mit gut dreißig Passagieren rückwärts auf den schmalen Schienen.

Zugleiter Mandelartz koordiniert beim Tag der offenen Tür des Feld- und Werksbahnmuseum Oekoven den Ablauf und passt auf, dass die beiden eingesetzten Bahnen nicht kollidieren.

Anders als bei herkömmlichen Gleisen sind die der Feldbahn nur nahezu halb so breit, denn sie sind dafür konzipiert, schnell aufgebaut und wieder entfernt zu werden. Wo heute auf Baustellen Gabelstapler und Lkw Steine, Holz, Beton und anderes Baumaterial von einer Seite zur anderen bringen, kamen besonders in den 30er und 40er Jahren die in Oekoven ausgestellten Feld- und Werkbahnen zum Einsatz. Doch nicht nur beim Bau wurde die Zugkraft der Loks benötigt. Neben der Kohleförderung beim Bergbau waren die Bahnen besonders während des Ersten Weltkrieges als Munitionstransporter entscheidend.

Auch Lothar Gremer nutzte den Tag der offenen Tür für einen Familienausflug mit seinen Kindern. Im letzten Wagen steht er mit Lisa-Marie und Jan. Fasziniert beobachten die drei, wie sich die grüne Lok am Ende der einen Kilometer langen Strecke von den Personenwagen abkoppelt, auf einer Parallelschiene vorbeifährt und sich wieder an die Spitze der Kolonne setzt. "Hier sagt keiner ,Finger weg', alles ist zum Anfassen. Das unterscheidet dieses Museum sehr positiv von anderen", sagt Papa Lothar. Und dann geht es auch schon wieder zurück. "Alle rein – Es geht weiter", ruft Uwe Schade, während keine zehn Meter entfernt eine Regionalbahn entlang donnert. Deren Schienen liegen parallel zu denen der alten Werkbahn. Ein Wettrennen kann sich die grüne Diesellok aber nicht erlauben – mit einer Geschwindigkeit von zehn Stundenkilometern. Der Verbrauch dagegen ist enorm. Ein Tank wird bei den kurzen Fahrten leer gefahren: 40 Liter auf acht Kilometer.

Wenn die Planung von Marcus Mandelartz, dem Vorsitzenden des Verein "Feld- und Werksbahnmuseum Oekoven", aufgeht, wird ab nächstem Jahr nicht nur an jedem ersten Sonntag im Monat die grüne Lok Passagiere begeistern. Momentan wird eine Halle ausgebaut, die mit Fotos, Infotafeln und natürlich vielen alten Loks informieren soll.

(NGZ/rl)