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Rommerskirchen: Eine Sprache zum Zanken

Rommerskirchen : Eine Sprache zum Zanken

Die Kölner Mundartdichterin Elfi Steickmann begeisterte mit einer weihnachtlichen Lesung im Ansteler Kaffeehaus. Sie selbst sieht sich als Vertreterin einer aussterbenden Zunft, kämpft jedoch für die kölsche Sprache.

Es ist nicht so, dass in Köln außer Karneval nichts los wäre. Die Wochen vor Weihnachten etwa werden im "heiligen Köln" besonders intensiv erlebt. Manche Geschichte hiervon erzählen kann Elfi Steickmann. Die wohl bekannteste Kölner Mundartdichterin fesselte ihr Publikum jetzt im Ansteler Kaffeehaus mit Anekdoten und "Verzällcher", die fast durchgängig auf Alltagserlebnissen basieren.

Weihnachten ist in nahezu all ihren Büchern wichtiger Bestandteil, zumal sich hier das bisweilen ungewollt Komische wie in einem Brennglas spiegelt. Dass Männer notorisch "schlecht im Schenken" sind, wird zu keinem Zeitpunkt derart deutlich wie an Heiligabend.

"Op Kölsch" ist alles milder

Aber auch Unerwartetes kann dem Fest den Stempel aufdrücken, und selbst heftige Wortwechsel müssen die Stimmung nicht nachhaltig trüben. Denn "Kölsch ist eine Sprache zum Zanken", wie die Autorin sagt. Was im Hochdeutschen schroff und unversöhnlich klingt, kommt halt "op Kölsch" viel milder rüber, was einer der Gründe dafür ist, dass die 64-Jährige ihre eigentliche Muttersprache derart liebt. Ihre Eltern stammten aus "einem der tiefsten Vringsveedel", ihre Mutter hat ihr die Mundart beigebracht, die für sie kein bloßer Dialekt, sondern "eine ripuarische Sprache" ist.

Vor gut 15 Jahren hat Elfi Steickmann mit dem Schreiben begonnen und festgestellt, dass sie das, was sie zu sagen hat, am besten "op Kölsch" ausdrücken kann. Wobei sie hier durchaus puristisch ist und an der traditionellen Schreibweise festhält: "Die neue Rechtschreibung der Akademie lehne ich völlig ab." Zum Schreiben ermutigt hat sie ihr Lektor beim Greven-Verlag, der Sprachwissenschaftler und "Kölsch-Papst" Heribert A. Hilgers, der auch das Vorwort für einige ihrer bislang sieben Bücher verfasst hat.

Natürlich ist Steickmann auch im Karneval stark engagiert. Nächstes Jahr bestreitet sie eine große Veranstaltung mit "Blötschkopp" Marc Metzger. Gerade aber am Karneval lässt sich Elfi Steickmann zufolge ablesen, welch schweren Stand das Kölsche hat: "Jupp Mendt ist doch der letzte Redner, der noch Kölsch spricht." Ihren Kampf für die Mundart will Elfi Steickmann unverdrossen fortsetzen, auch wenn sie nicht übermäßig optimistisch ist: Heute gibt es noch fünf oder sechs Autoren, die Kölsch schreiben, "in zehn Jahren wird es wohl niemand mehr sein", befürchtet sie. An ihr jedenfalls wird es nicht liegen und am Publikum sollte es eigentlich auch nicht fehlen, wie die begeisterten Zuhörer im Ansteler Kaffeehaus zeigten.

(NGZ)