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Rommerskirchen: Eine Rarität der Marke Eigenbau

Rommerskirchen : Eine Rarität der Marke Eigenbau

Mit seinem Sportwagen verbindet den Kfz-Mechaniker Wolfgang Poggel eine ganz besondere Beziehung: Er hat die Mercedes-SSK-29-Replika aus einem Bausatz und den Resten eines alten Käfers selbst zusammengezimmert.

Diesen Eintrag im Fahrzeugschein gibt es nur ein einziges Mal auf der Welt: "Fahrzeughersteller: Poggel, Rommerskirch." Entsprechend einmalig ist auch das dazu gehörende Auto, eine Mercedes-Replika nach einem Modell von 1929. Denn den schnittigen Sportwagen hat Eigentümer Wolfgang Poggel selbst gebaut. Und das vor 38 Jahren, was den schicken Flitzer selbst zu einem Oldtimer macht.

Das Auto dürfte also mit Fug und Recht ein "H"-Kennzeichen als "kraftfahrzeugtechnisches Kulturgut" tragen. Das bekommt man schon ab einem Alter von 30 Jahren. Doch der Wagen, an dem der 60-jährige Kfz-Mechaniker-Meister Wolfgang Poggel so besonders hängt, hat schon seit Jahren gar kein Kennzeichen. "Ich komme gar nicht dazu, mich um das Auto zu kümmern oder damit zu fahren", sagt er bedauernd. Beinahe täglich steht er in der Werkstatt, die er zusammen mit seinem Kompagnon Martin Neubauer führt, und schraubt an fremden Autos herum - vorzugsweise an Oldtimern. Da bleibt kaum Zeit für eigene Liebhabereien.

Die Werkstatt hat Wolfgang Poggel damals von seinem Vater Karl übernommen. "Der war ein Sauerländer Sturkopp", sagt Poggel und meint das durchaus liebevoll. Sein drei Jahre älterer Bruder Günter sei mit dem Vater nicht klar gekommen: "Das ging gar nicht." Wolfgang hingegen sei etwas moderater gewesen: "Ich durfte als einziger bei ihm die Lehre als Kfz-Mechaniker machen", erinnert er sich. Das Schrauben habe er von klein auf mitbekommen, "wer da nicht Diesel im Blut hat, bei dem stimmt was nicht", lacht er. Dass er als junger Mann den Käfer seines alten Herren auf Karfreitag bei Glatteis zu Schrott gefahren hat, erwies sich später als Glücksfall.

Die Außenhülle war danach völlig verbeult und nicht mehr zu retten. "Nur mit der Bodenplatte sind wir dann über die Stoppelfelder geheizt", erinnert sich Poggel. Und weil der Papa dem Sohnemann seine Leidenschaft, das Motorradfahren, verboten hat, kaufte er als Entschädigung den Replika-Bausatz des Mercedes SSK 29 und schlug Wolfgang vor, daraus und mit dem Rest des Käfers ein eigenes Auto zu bauen. "Über dieses gemeinsame Projekt habe ich einen Zugang zu meinem Vater bekommen, darüber haben wir uns verstanden", sagt Poggel. Von seinem Vater habe er sich damals dessen Improvisationskunst abgeschaut. Bis heute liege es Wolfgang Poggel am Herzen, alte Dinge wieder in Ordnung zu bringen, statt sie einfach wegzuwerfen.

Neben dem Replika-Bausatz und dem Käfer-Unterbau flossen in das einzigartige Gefährt die Armatur eines Ford 20 MRS, die Sitze eines 850er Sport Spider von Fiat, der Kühlergrill eines Daimlers, die Außenspiegel eines VW T1, der Rückspiegel eines DKW 1000 SP und die Blinklichter einer Yamaha RD 250 ein. Als Scheinwerfer dienen zwei Lkw-Leuchten von Bosch.

Für die erste größere Ausfahrt kaufte sich der Vater extra eine Jacke und eine Kappe in Wagenfarben. Auch die hält der Sohn bis heute in Ehren.

(NGZ)