Ein Landwirt als Querdenker

Willi Kremer-Schillings beschäftigt sich mit Fragen der Welternährung. Bioenergien lehnt er ab, Gentechnik ist für ihn ein Muss, wenn es genügend Nahrungsmittel für die Menschheit geben soll.

Die Getreideernte ist eingebracht, die ohnehin bereits hohen Preise von 2011 werden noch einmal getoppt. Die Bauern freut es, was zunächst einmal auch für Willi Kremer-Schillings gilt. In seiner Freizeit denkt er oft quer zum Mainstream in der Landwirtschaft, beschäftigt sich seit Jahren mit Fragen der Welternährung. Anders als viele Berufskollegen ist Kremer-Schillings nämlich kein Anhänger der Bioenergie — ganz im Gegenteil: "Je mehr Bioenergie verwendet wird, desto teurer werden Maisprodukte, die sich auf dem Weltmarkt verknappen. Wir entnehmen so dem Weltmarkt Rohstoffe, die für Nahrungsmittel notwendig wären", sagt er.

Seit 20 Jahren arbeitet Kremer-Schillings für die Firma Pfeifer & Langen, deren Landwirtschaftliche Abteilung er zurzeit leitet. Zudem ist er auch stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Buir-Bliesheimer Agrargenossenschaft, die den Gewerbepark III seit vergangenem Jahr zu ihrem operativen Hauptstützpunkt ausbaut. Als promovierter Agrarwissenschaftler hat sich Kremer-Schillings gleichwohl die Fähigkeit bewahrt, über den Tellerrand hinauszublicken.

Und da bleibt ihm auch die Kehrseite nicht verborgen. "Steigende Preise sind auch für die Bauern in den Entwicklungsländern zunächst einmal gut. Gerade für die Großstädte, etwa in Indien ist die Entwicklung jedoch tödlich, weil die Bevölkerung das irgendwann nicht mehr bezahlen kann." Während er Biogasanlagen noch "für einigermaßen sinnvoll hält", ist für Willi Kremer-Schillings die Nutzung von Bioethanol als alternativem Kraftstoff "geradezu pervers." Selbst in "normalem" Kraftstoff befinden sich mittlerweile Biozusätze, wobei er deren Effektivität rundweg in Abrede stellt.

Wer ihn in der politischen Farbenlehre als Grünen ansähe, läge gleichwohl falsch. Kremer-Schillings jedenfalls hat keinerlei Vorbehalte gegen den Einsatz von Gentechnologie: "Die können wir uns nur in einem reichen Land wie Deutschland erlauben", ist der Agrarexperte überzeugt. "Ich verstehe die gespaltene Akzeptanz beim Einsatz der Gentechnik in der Medizin und dem bei der Erzeugung von Lebensmitteln einfach nicht", sagt er kopfschüttelnd. Er hält die Aversion gegen Gentechnik in der Landwirtschaft jedenfalls "für ethisch nicht vertretbar. Wenn wir die Menschheit ernähren wollen und müssen, wird das mit normalen Ertragssteigerungen nicht gehen." Seine Prognose: "Lebensmittel werden sehr viel teurer werden und die Landwirtschaft wird eine sehr gesunde Basis haben."

(NGZ/ac)