Rommerskirchen: Drei neue Projekte für den Geflügelhof

Rommerskirchen: Drei neue Projekte für den Geflügelhof

Das seit 2004 in Sinsteden ansässige Bruno-Dürigen-Institut feierte jetzt sein zehnjähriges Bestehen. Der Wissenschaftliche Geflügelhof kümmert sich um gut ein Dutzend Hühnerrassen. Insgesamt gibt es mehr als 200.

Führende Funktionäre und Wissenschaftler der Rassegeflügelzucht gaben sich jetzt ein Stelldichein im Kreiskulturzentrum Sinsteden. Zu feiern galt es dort den zehnten Geburtstag des mit maßgeblicher Unterstützung des Rhein-Kreises Neuss und des Landes NRW gegründeten Wissenschaftlichen Geflügelhofs. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke schlug in seinem Grußwort den Bogen bis weit in die Antike, wo der Legende nach die Gänse auf dem römischen Kapitol die Stadt einst vor einem Angriff der Kelten gewarnt hatten. Bürgermeister Albert Glöckner erinnerte an die Einweihung des inzwischen den Titel Bruno-Dürigen-Institut tragenden Geflügelhofs 2004. Neben der eigentlichen wissenschaftlichen Arbeit würdigte er auch einen pädagogischen Aspekt: Für viele Kinder "wird ein Blatt aus ihrem Bilderbuch lebendige Wirklichkeit", verwies er auf den Besuch von Schulklassen. Die weiteste Anreise dürfte Urs Freiburghaus gehabt haben: Der Schweizer Präsident der "Entente Européenne" (Europäische Vereinigung) der Rassegeflügelzüchter versicherte Dr. Inga Tiemann, der Leiterin des Hofs, und ihrer Stellvertreterin Dr. Mareike Fellmin in seiner launigen Ansprache, auch künftig "alles daran zu setzen, Werbung für den Wissenschaftlichen Geflügelhof zu machen."

Professor Werner Bessei von der Universität Hohenheim widmete sich in seinem Festvortrag der Geschichte der Ethologie (Verhaltensbiologie) und sparte dabei auch deren Irrwege nicht aus. "Es gibt keine Wissenschaft, die nicht auch politisch gedeutet werden könnte", sagte der Gelehrte mit Blick auf die rassenkundlichen und eugenischen Verirrungen in wissenschaftlichem Gewand.

Für Aufsehen in der Fachwissenschaft sorgt das Bruno-Dürigen-Institut durch seine Projekte, so etwa mit dem vor einem Jahr gestarteten Modell- und Demonstrationsvorhaben "Kryoreserve beim Huhn" — das bundesweit erste seiner Art. Kryoreserve bedeutet schlicht die Tiefgefrierung von Hahnensperma in flüssigem Stickstoff, und die soll die Gefahr des Aussterbens selten gewordener Rassen bannen.

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Der Wissenschaftliche Geflügelhof kümmert sich um gut ein Dutzend Hühnerrassen. Insgesamt gibt es mehr als 200. Das vor einem Jahr gestartete Projekt verläuft nach Auskunft von Mareike Fellmin programmgemäß. Im Mai werden ihr zufolge drei weitere Forschungsvorhaben starten. "Kognition bei Hühnern" soll Erkenntnisse darüber vermitteln, wie es um deren Erkenntnisfähigkeit im Vergleich zu der anderer Tiere bestellt ist. Untersucht wird in einem weiteren Projekt die "Geschwisterdominanz" bei Hühnern. "Ein kleines Projekt" wird sich laut Mareike Fellmin dann der Geschlechtsbestimmung von Küken widmen.

Getrübt wurde die Feierlaune durch einen Zwischenfall: Karl Stratmann, Vorsitzender des junge Wissenschaftler unterstützenden Vereins Juwira, brach nach einer Herzattacke auf dem Hof des Kulturzentrums zusammen. Der Notarzt behandelte ihn eine halbe Stunde im Rettungswagen, ehe Stratmann ins Kreiskrankenhaus nach Hackenbroich gebracht wurde.

(NGZ)
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