1. NRW
  2. Städte
  3. Rommerskirchen

Rommerskirchen: Dieb stiehlt Figuren aus Kapelle

Rommerskirchen : Dieb stiehlt Figuren aus Kapelle

Gläubige und Schützen sind empört. Zwei Heiligenfiguren wurden aus der Kapelle am Nettesheimer Friedhof entwendet. Hinweise auf den Täter gibt es nicht. Rathaussprecher Elmar Gasten fordert die Rückgabe der Beute.

Erst in den Tagen vor Allerheiligen wird es vielen Friedhofsbesuchern bewusst geworden sein: In der Kapelle vor dem Friedhof an der Martinusstraße fehlen zwei Heiligenfiguren. Maria und Josef, die zu Füßen des gekreuzigten Christus standen. Die beiden Gipsfiguren sind gestohlen worden. Zuvor wurde das schützende Gitter aufgebrochen.

Wann die Tat genau begangen wurde, steht nicht fest, und das erschwert nach den Worten von Polizeisprecherin Diane Drawe die bislang ergebnislos verlaufenen Ermittlungen. "Wir haben keinen konkreten Tatverdacht", sagt Drawe. Strafanzeige sei erst am 20. Oktober gestellt worden. Als Tatzeitraum kommen der Polizeisprecherin zufolge jedoch auch die voran gegangenen Tage seit dem 12. Oktober in Betracht: An diesem Tag hatten Zeugen die beiden Heiligenfiguren letztmals bewusst wahrgenommen. "Wenn wir in diesem Jahr zum Friedhof gehen, wird uns angesichts des Diebstahls von Heiligenfiguren bewusst, dass Menschen vor Heiligem nicht zurückschrecken", sagt Monsignore Franz Josef Freericks.

Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaute Wegekapelle gehört nicht der Kirche, sondern der Gemeinde Rommerskirchen. "Der Diebstahl der Heiligenfiguren ist aufs Schärfste zu verurteilen. Ich hoffe, dass die Täter Vernunft annehmen und die Figuren wieder zurück bringen", ist Rathaussprecher Elmar Gasten empört. Wobei er offenbar davon ausgeht, dass die Figuren angesichts ihres geringen materiellen Werts als Hehlerware kaum infrage kommen.

Angesichts ihrer ortsgeschichtlichen Bedeutung und den volkskundlichen Aufschlüssen, die die Kapelle vermittelt, hat die Gemeinde sie bereits 1987 in ihre Denkmalliste aufgenommen: In der befinden sich zurzeit mehr als 70 Gebäude und andere bedeutsame Objekte. Die Kapelle wird seit vielen Jahren in privater Regie gepflegt, wie Präsident Matthias Schlömer von der St. Sebastianus-Bruderschaft Frixheim sagt, der auch stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands von St. Martinus ist. Nicht zuletzt die Schützen sind entsetzt über den Frevel.

Bei der von den Sebastianern aus Nettesheim-Butzheim, Frixheim und Anstel seit etlichen Jahren gemeinsam organisierten Fronleichnamsprozession ist die kleine Kapelle am Friedhof die erste Segensstation für die Gläubigen. "Es ist sehr schade, dass man mittlerweile nicht mehr davor zurückschreckt, sich an für die Allgemeinheit wichtigen Denkmälern zu vergreifen", sagt Matthias Schlömer. "Für die Dorfgemeinschaft ist es ein hoher ideeller Verlust", betont er.

Wenngleich er die Hoffnung auf Rückgabe nicht vollends aufgegeben hat, ist er dennoch skeptisch, dass die beiden Heiligenfiguren wieder auftauchen. Die drei Schützenbruderschaften wollen sich mit dem aktuellen Zustand der Kapelle jedoch nicht auf Dauer abfinden. "Wir möchten versuchen, die Figuren zu ersetzen", kündigt dann auch Matthias Schlömer an.

(NGZ/ac)