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Rommerskirchen: Die Verwaltung wird weiblicher

Rommerskirchen : Die Verwaltung wird weiblicher

Die Gleichstellungsbeauftragte Nicole Musiol über Altersarmut bei Frauen, Unabhängigkeit und Stellenbesetzungen in der Rommerskirchener Gemeindeverwaltung.

Für die Gleichstellungsbeauftragte Nicole Musiol ist ihre Tätigkeit gleichbedeutend mit Aufklärungsarbeit. In punkto Gleichstellung sieht sie die Gemeinde gut aufgestellt – abgesehen davon, dass es noch keine Dezernentin gibt.

"Altersarmut ist weiblich", haben Sie schon vor einigen Jahren festgestellt. Hat sich aktuell an diesem Befund etwas geändert?

Musiol Nein, der Trend hat sich auch in Rommerskirchen mittlerweile eher verschärft. Die ältere Generation weiß jetzt Schwarz auf Weiß, wie hoch ihre Rente ist. Angesichts des demografischen Wandels wird das Problem eher noch größer werden. Umso wichtiger sind Informationen gerade für junge Frauen, selbst berufstätig zu sein und sich nicht nur auf den Partner zu verlassen. Dieses Lebensmodell ist heutzutage nicht mehr tragfähig.

Welche Rolle spielt dieses Thema in Ihren Beratungsgesprächen?

Musiol Eine sehr große. Dies gilt besonders für die Gespräche, die ich in Sachen Wiedereinstieg ins Berufsleben führe, aber auch, wenn es um geringfügige Beschäftigungen oder 400-Euro-Jobs geht. Gleichstellungsarbeit ist für mich im wesentlichen Aufklärungsarbeit.

Wie ist es um den "harten Kern" der Gleichstellungsarbeit innerhalb der Gemeindeverwaltung bestellt?

Musiol Hier ist es zum Glück relativ ruhig. Was Fragen wie sexuelle Belästigung oder Diskriminierung angeht, gibt es nur wenig bis gar keine Beschwerden. Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt bei Auswahlverfahren bei Einstellungen sowie in der Öffentlichkeitsarbeit.

Und wie sieht es bei Frauen in Führungspositionen des Rathauses aus?

Musiol Da ist noch Luft nach oben. Das gilt vor allem für die Dezernentenebene. Ansonsten sind wir jedoch sehr gut aufgestellt. Frauen besetzen zurzeit mehr als die Hälfte in der Position der Amtsleitung. Bei den Dezernenten wird es wohl noch eine Weile dauern, zumal diese noch nicht in einem Alter sind, in dem sie ans Aufhören denken.

Sie sind seit 2003 Gleichstellungsbeauftragte. Damals lag ihr Jahresbudget bei über 2500 Euro. Heute sind es noch 1300. Kommen Sie damit aus?

Musiol Es könnte gern mehr Geld sein. Man muss sich sehr genau überlegen, was man macht. Für Vorträge etwa bin ich auf Kooperationspartner wie die Sparkasse angewiesen. Meine Aufgabe ist es, orientiert an tatsächlichem Bedarf und Gegebenheiten vor Ort Schwerpunkte festzulegen und eine effiziente Bearbeitung der Probleme unter Einsatz der gegebenen Ressourcen anzustreben.

Welche Vorträge sind besonders populär?

Musiol Viele Menschen interessieren sich vor allem für die Themen Patientenverfügung sowie Erben und Vererben. Mit der Juristin Ingeborg Heinze, haben wir hier eine sehr beliebte Referentin.

(S.M.)