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Rommerskirchen: Die Nachtigall soll nicht gestört werden

Rommerskirchen : Die Nachtigall soll nicht gestört werden

Die Biologische Station will den Lösshohlweg zwischen Butzheim und Velderhof ökologisch optimieren. Eine konkrete Finanzierung steht aber noch nicht.

Ein kleines ökologisches Juwel beherbergt die Butzheimer Bruchstraße, die von West nach Ost von der Butzheimer Straße "Zum Eichelsberg" aus als Fußweg bis zum Golfplatz Velderhof führt. Auf einer Strecke von etwa 1,7 Kilometern hat sich im Laufe jahrhundertealter Nutzung ein Hohlweg in das Gelände gegraben, indem er von Menschen mit Fuhrwerken und Vieh benutzt wurde. Er bietet durch steile Wände und wilden Pflanzenbewuchs einer ganzen Fülle von Tieren Unterschlupf. Das Areal soll demnächst einer ökologischen Umgestaltung unterzogen werden.

"Der Hohlweg mit seinem Gehölzbewuchs hat regionalen Schutzwert als kulturhistorisches und geowissenschaftliches Objekt, Lebensraum für Hecken- und Gebüschbrüter, Waldvögel, Kleinsäuger und andere Tiere." So zitiert Michael Stevens aus dem Biotop-Kataster des Nordrhein-Westfälischen Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV). Stevens, Diplom-Biologe im "Haus der Natur" des Rhein-Kreises Neuss in Knechtsteden, will den Lösshohlweg aber nicht länger sich selbst überlassen, sondern ihn behutsam optimieren. "Zu den charakteristischen Besiedlern von Hohlwegen gehören auch eine Fülle von Wärme liebenden Insekten, insbesondere bestimmte Wildbienen, Wespen und Käfer. Aktuell fehlen diese im Butzheimer Hohlweg aber", erklärt Stevens. Dort gebe es nur relativ wenige Steilwände, die zudem zurzeit durch hohe Büsche oder Bäume verschattet würden.

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Um diesen Insekten einen Lebensraum zu bieten, plant die Biologische Station, auf einer Länge von etwa 150 Metern in Höhe des Lambertushofes "die nördliche Böschungsseite treppenartig anzusteilen". Oberhalb der Böschung soll ein Ackerrandstreifen angelegt werden, um die neue Steilwand vor den Auswirkungen der landwirtschaftlichen Nutzung durch schwere Traktoren zu schützen. Auf der Südseite des Hohlweges sollen hingegen die Büsche bis zum Stamm zurückgeschnitten, also "auf den Stock gesetzt" werden.

Vereinzelt müssten auch Bäume gefällt werden, um eine Besonnung des Nordhanges zu ermöglichen. Um keine scharfen Grenzen entstehen zu lassen, sollen an den westlich und östlich angrenzenden Wegbereichen auf einer Länge von jeweils etwa 100 Metern ebenfalls verschattende Gehölze ausgelichtet und gekappt werden, um einen natürlich fließenden Übergang herzustellen.

Wer nun aber fürchtet, dass für die Optimierung des Lebensraumes von Insekten der von bisher dort lebenden Vogelarten wie Nachtigall, Hohltaube und Turteltaube geopfert wird, den kann Michael Stevens beruhigen: "Eine Bestandsaufnahme hat im vergangenen Jahr gezeigt, dass die Wert gebenden Vogelarten nicht unmittelbar von den Maßnahmen betroffen sein werden." Denn die hätten ihre Brutplätze zwar in der Butzheimer Bruchstraße, aber nicht in dem zu überarbeitenden Bereich.

Am Ende sollen sich durch die Maßnahme abr nicht nur Tiere im Lössholweg wohler fühlen. Auch für die Bevölkerung bleibe die Erholungsfunktion erhalten und könne sogar noch gesteigert werden, stellt Stevens in Aussicht. Wann das Projekt allerdings umgesetzt werden kann, sei noch unklar. Zunächst müsse die Finanzierung geklärt werden. Stevens geht bei den Kosten von einem mittleren fünfstelligen Betrag aus.

(NGZ)