Rommerskirchen: Der Schädel des Heiligen liegt im Tresor

Rommerskirchen: Der Schädel des Heiligen liegt im Tresor

Pfarrer Hans Günter Schönen hat das Leben des eher unbekannten Oekovener Pfarrpatrons Briktus von Tours erforscht.

Einen wahrhaft außergewöhnlichen Schatz birgt die Kirche St. Briktius in Oekoven. Dort befindet sich - sicher verschlossen hinter dicken Tresortüren - der Schädel des Heiligen Briktius, stilvoll aufbewahrt in einem schweren Messingschrein mit gläsernen Wänden. 1827 gelang es dem damaligen Oekovener Pfarrer Dahlmann, den Schädel aus dem Kölner Klösterchen Klein-St.-Ursula, das aufgelöst und abgerissen werden sollte, nach Oekoven überführen zu lassen. Rund 50 Jahre später fertigte der Kölner Goldschmied Franz Wüsten 1876 den passenden Schrein. Jedes Jahr im November werden Schrein und Schädel für zwei Wochen - passend zum Patrozinium am 13. November - zur Verehrung in der Oekovener Kirche aufgestelllt.

Auch Hans Günter Schönen war von der Reliquie beeindruckt, als er 1963 als Pfarrer nach Oekoven kam. So beeindruckt, dass er sich später entschloss, das Leben und Wirken des bis dahin eher unbekannten Heiligen zu erforschen, der im Jahre 397 nach Christus auf Martin von Tours ("Sankt Martin") als Bischof folgte.

Was heute jeder mit ein paar Mausklicks über das Internet zusammentragen kann, war in den 1960er und 1970er Jahren eine mühsame und zeitintensive Recherchearbeit: nämlich all die Kirchen im In- und Ausland zu ermitteln, die dem Heiligen Briktius von Tours geweiht sind. Trotzdem nahm Pfarrer Schönen diese Arbeit auf sich. Die Namen und Standorte von weit über 200 Gotteshäusern trug er zusammen und war bald fest entschlossen, jedes einzelne von ihnen zu besuchen.

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Mit einem Hobbyfotografen und später mit zwei Neffen bereiste Schönen Belgien und, auf einer dreiwöchigen Tour, ganz Frankreich, um alle Briktius-Kirchen persönlich in Augenschein zu nehmen. Auch in anderen Ländern Europas wurde er fündig. Eine Begebenheit ist ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben: In Orvieto, nördlich von Rom, sollte es ebenfalls eine Briktius-Kirche geben. Schönen fand sie auch, stellte aber fest, dass sich dort - ebenso wie in Oekoven - ein Schrein mit einem Totenschädel des Heiligen Briktius befand.

"Da war ich zunächst einmal ein bisschen schockiert", erinnert sich der 88-jährige Pfarrer im Ruhestand heute. Ein Heiliger mit zwei Köpfen? Das konnte doch nicht sein! Doch des Rätsels Lösung ließ sich bald aufklären: Schönen fand heraus, dass in Italien noch zwei weitere Heilige mit dem Namen Briktius bekannt sind, der eine ist Brictius von Martula, der bereits im 3. Jahrhundert starb, und der andere, dessen Kopf in Oriveto ruht, ist Brictius von Spoleto und Foligno, einer der ersten Bischöfe dieser Region, der die Bewohner von Orvieto christianisierte.

Seine Recherche-Ergebnisse zum Heiligen Briktius hat Schönen bereits 1981 in einem Buch mit dem Titel "Der Mann mit den glühenden Kohlen" zusammengetragen, das noch heute als umfassendstes Briktius-Werk in deutscher und französischer Sprache gilt. Zudem gibt es die "St. Briktius Illustrierte", ebenfalls aus der Feder von Pfarrer Schönen, die weitere interessante Details aus den Kirchen Europas bereithält, die dem Heiligen geweiht sind.

(NGZ)
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