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Rommerskirchen: Das kleine "Gallierdorf"

Rommerskirchen : Das kleine "Gallierdorf"

Vor 800 Jahren erstmals urkundlich erwähnt, ist Gill bereits in vorchristlicher Zeit gegründet worden. Das berichtete Josef Schmitz am Samstag in seinem Festvortrag zum Ortsjubiläum.

Ein wenig gefuchst hatte es die Giller schon, als vor einem Jahr in der NGZ zu lesen war, dass es für das 800-Jahr-Jubiläum des Orts noch keine Vorbereitungen gab. Das änderte sich daraufhin schlagartig: Schon die Königsfete für das in Gill wohnende Rommerskirchener Königspaar Franz und Iris Eitner geriet im August 2010 zur "799 -Jahrfeier", wie sich Karl-Heinz Wandke erinnert.

Die Giller wurden sich vergangenen Sommer jedenfalls schnell einig, dass das Ortsjubiläum keinesfalls ungewürdigt bleiben sollte. Die "Giller Nachbarschaft", wie das gut 20-köpfige Team um Karl-Heinz Wandke offiziell firmiert, begann im Februar mit der Organisation und sorgte jetzt für das größte Fest, das es in einem der kleinsten Orte der Gemeinde jemals gegeben hat. Das Festzelt an der Danziger Straße war sogar noch größer als das beim 50-Jahr-Fest der Giller Siedlung und des Jägerzugs "Veilchenblau" 2002.

Im vergangenen Jahrzehnt habe sich "die Einwohnerzahl Gills nahezu verdoppelt", verriet Bürgermeister Albert Glöckner. Aktuell leben dort etwa 550 Menschen. Richtete Karl-Heinz Wandke in bester Feierlaune den Blick schon einmal auf die 900-Jahrfeier, zeigte Josef Schmitz in seinem Festvortrag, dass die Giller kein Jahrhundert warten müssen, bis es wieder etwas zu feiern gibt: Die Einwohner können bei Bedarf nämlich noch manch ein Jubiläum nachfeiern, denn Gill ist bedeutend älter als 800 Jahre, wie der Lokalhistoriker deutlich machte.

Aus dem Jahr 1211 stammt lediglich die erste urkundliche Erwähnung Gills. Gibt es alle anderen Dörfer in der Gemeinde erst, seit die Franken im fünften Jahrhundert die Römer verdrängten, ist Gill jedoch neben Anstel bereits zur Zeit der Kelten gegründet worden. Der Name Gill ist nachweislich keltischen Ursprungs und bedeutet nichts anderes als Bach. Die Verdopplung in "Gillbach" rührt lediglich daher, "dass die Franken mit der Bedeutung des keltischen Namens nichts anzufangen wussten", erläuterte Josef Schmitz .

Die Kelten lebten dort von 500 bis 100 v.Chr. und in diese Zeit datiert Schmitz die Gründung des seither durchgehend besiedelten Orts. Bei den Römern hießen die Kelten übrigens Gallier, so dass sich Gill nun mit Fug und Recht zum kleinen Gallierdorf erklären kann.

Im Mittelalter wurde der heute noch existierende Giller Hof zur "Lebenszelle" des Orts, wie Schmitz sagte. Seit 1212 war dieser Sitz der Grafen von Hochstaden. Konrad von Hochstaden, seines Zeichens Kölner Erzbischof, legte 1248 den Grundstein für den Kölner Dom — nicht jedes Dorf hat eine derart prominente "Ahnengalerie".

(NGZ)