Rommerskirchen : CDU bei Glöckner-Platz gespalten

Die CDU ist sich uneins und will heute eine geheime Abstimmung über den Antrag der SPD den Bahnhofsvorplatz nach dem früheren Bürgermeister Albert Glöckner zu benennen.

Der heute Abend im Rat zur Abstimmung stehende Antrag der SPD, den Bahnhofsvorplatz nach Glöckner zu benennen, erhitzt bei der CDU seit Wochen die Gemüter. Eigentlich ist alles wie immer: An Albert Glöckner scheiden sich bei der CDU nun einmal die Geister. Auch fast 20 Jahre, nachdem der Sozialdemokrat 1999 das Rathaus eroberte, ist der bis 2014 amtierende Bürgermeister für manche Christdemokraten immer noch eine Reizfigur - wenngleich er im Rat mehr als ein Jahrzehnt lang auf die CDU-Fraktion als (zumeist) treue Unterstützerin zählen konnte.

Heute will die Union auf eine geheime Abstimmung hinwirken, wie CDU-Chef Michael Willmann bestätigt. „Es geht schließlich um Personen“, wobei er auf Nachfrage nicht allein „Persönlichkeitsrechte“ des zu Ehrenden, sondern auch der Abstimmenden im Blick hat, nämlich die mit Nein stimmenden CDU-Mitglieder. Am liebsten wäre ihm gewesen, der Rat würde über den SPD-Antrag hinter verschlossenen Türen entscheiden. „Es ist unglücklich, dass es im öffentlichen Teil entschieden wird“, sagt Willmann. Dabei will er keinen Schatten auf Albert Glöckner fallen lassen: „Ich arbeite ja mit ihm zusammen. Er ist absolut integer und es hat nichts mit der Person zu tun“, verweist Willmann darauf, dass er sowohl im Partnerschaftskomitee Mouilleron-le-Captif wie im Förderverein des Kreiskulturzentrums Sinsteden gemeinsam mit Glöckner im Vorstand sitzt und problemlos mit ihm zusammenarbeitet. Für Willmann ist „das Prinzip und nicht die Person“ maßgeblich. Es sei absolut „unüblich, Benennungen von Straßen oder Plätzen nach Lebenden vorzunehmen“, betont der CDU-Chef, der sich auch durch die regionale Ausnahme des Jüchener CDU-Politikers Peter Giesen nicht beeindrucken lässt. Nach dem inzwischen 96-Jährigen ist seit mehr als 30 Jahren eine stattliche Halle in Garzweiler benannt. Willmann zufolge würde die CDU auch die Ehrung eines noch lebenden Unionspolitikers nicht befürworten. Bürgermeister Martin Mertens hatte erst kürzlich die Benennung einer Straße nach dem bislang letzten CDU.Rathauschef Peter Emunds ins Gespräch gebracht. Willmann verweist darauf, dass die CDU schon bei der Abstimmung über die neue Ehrenordnung der Gemeinde den Passus habe streichen wollen, wonach auch Benennungen nach Lebenden erfolgen könnten. Durchsetzen konnte sich die Union hiermit vor einigen Monaten nicht und stimmte der neuen Regelung dennoch zu, „ohne zu wissen, dass der Passus schon bald angewendet würde“, so Willmann. Neben ihm könnten auch der stellvertretende Parteichef Holger Hambloch und Jens André Friedrich gegen die Umbenennung des Bahnvorplatzes votieren. Anders als sie verfügen Vizebürgermeisterin Bianka Mischtal und Matthias Schlömer über einen guten Draht zu Glöckner und dürften Kennern der Szenerie zufolge kaum Front gegen ihn machen. Eine große Mehrheit ist dem auch von FDP und Grünen befürworteten Antrag im Rat ohnehin sicher. Die CDU-Fraktion wird heute nur zu sechst auftreten.