Butzheim: Wanderung durch die Heimat

Rundgang durch Butzheim : Historischer Rundgang durch Butzheim

Bei einem historischen Rundgang durch Butzheim referierte Peter Emunds vor knapp 60 Teilnehmern über mehr als 1000 Jahre Ortsgeschichte. Der Verein „Heimat + Historie“ will 2020 auch an der 825-Jahrfeier Nettesheims mitwirken.

Erst knapp anderthalb Jahre alt, strotzt der Verein „Heimat+ Historie NE-BU 962" nur so vor Tatendrang. Erst vor zehn Tagen erhielt er aus den Händen der Landtagsabgeordneten Heike Troles einen NRW-Heimat-Scheck in Höhe von 2000 Euro. Vor einem Monat wurde auf sein Betreiben hin der Aufmarschplatz der Schützen an der Ortsgrenzen von Nettesheim und Butzheim von Bürgermeister Martin Mertens nach Anna Maria Esser benannt, einer wohlhabenden Stifterin, der unter anderem das einstige Nettesheimer Krankenhaus zu verdanken war.

Dass der über 20 Mitglieder zählende Verein um seinen Vorsitzenden Peter Emunds und Geschäftsführer Walter Giesen weit über den engeren Kreis der Mitstreiter hinaus Resonanz findet, zeigte sich jetzt bei einem Historischen Rundgang durch Butzheim mit knapp 60 Teilnehmern - der sinnigerweise an der Begegnungsstätte Alte Schule seinen Ausgang nahm: Die nämlich ist in ihrer heutigen Gestalt die gleichsam Stein gewordene Erinnerung an die 1000-Jahrfeier Butzheims, die von Pfingsten 1987 bis Pfingsten 1988 ein ganzes Jahr lang begangen wurde. Peter Emunds zufolge war dies „ein Großereignis, wie es Butzheim und das ganze Gillbachland noch nicht erlebt hatten.“ Als einen „der größten Tage in der Geschichte Butzheims" wertet Emunds den 27.März 1986. Damals flatterte der Gemeinde nämlich ein Förderbescheid des Landes in Höhe von über 1,7 Millionen Mark nach damaliger Währung ins Haus, das für den Umbau der über 100 Jahre alten Schule bestimmt war, die seit 1972 in der Frixheimer Gemeinschaftsschule weitergeführt wurde.

„80 Prozent der Bevölkerung waren arm", ein Befund, der Peter Emunds zufolge bis zum "Wirtschaftswunder" nach dem Zweiten Weltkrieg galt. Dies habe insbesondere in der Mitte des 19.Jahrhunderts zu einer massiven Auswanderung geführt. Mit registrierten 140 Auswanderern in die USA stellte Butzheim damals das größte Kontingent im heutigen Rhein-Kreis Neuss. 99 Auswanderer stammten aus Nettesheim, wobei die Dunkelziffer Emunds zufolge deutlich höher sein dürfte. Zwar hatte Butzheim fast durchgängig doppelt so viele Einwohner als Nettesheim, dort jedoch konzentrierten sich Reichtum und Macht auf den großen Höfen.

Weit über seine Grenzen hinaus bekannt wurde Butzheim durch die 1885 eingerichtete Deckstation, die sich auf dem Gelände der früheren Gaststätte "Höttche" befand: Sie galt als die beste im Rheinland, etliche der bei der Weltausstellung in Paris 1900 zu sehenden rheinischen Kaltblüter stammten aus Butzheim.

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