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Rommerskirchen: Brücke "Zur Mühle" soll fallen

Rommerskirchen : Brücke "Zur Mühle" soll fallen

Der Rat hat gestern Abend beschlossen, die Hoeninger Brücke "Zur Mühle" abzureißen. Die Entscheidung fiel mit 24:4 Stimmen wohl aus Kostengründen. Naturschutzmaßnahmen sollen aus dem Areal ein Paradies machen.

"Brückentyp: Bogen unter der Fahrbahn; Standort: Hoeningen; Status: in Betrieb" — mit Worten so dröge und grau wie ihr Beton wird das Brückenbauwerk "Zur Mühle" auf der verschrobenen Internetseite Brueckenweb.de beschrieben. Dazu ein unspektakuläres Foto. Alles andere als nüchtern wurde gestern im Rommerskirchener Rat über ihre Zukunft diskutiert. Mit 24:4 Stimmen votierten die Mitglieder schließlich für den Abriss. Dabei hatte es danach zunächst gar nicht ausgesehen.

Die Verwaltung hatte in den Ratsunterlagen zwei Varianten für die Brückenzukunft vorgestellt.

1. Variante — Erhalt der Brücke und "Neubau einer Umfahrung:" Die Brücke wäre so für den Fuß- und Radverkehr erhalten geblieben. Kosten: 134 636,46 Euro.

2. Variante — Der Abriss: "Niederlegung der Brücke und Anlegung einer bauwerksfreien Querung." Kosten: 95 350,80 Euro — jeweils inklusive Zusatzkosten für Planung, Ausgleichsmaßnahmen und Zwischenprüfung.

Bürgermeister Albert Glöckner hatte sich in seinem Beschlussvorschlag für Variante 2 entschieden — und war damit schon im Vorfeld auf politischen Gegenwind gestoßen. "Wir sind ganz klar für den Brückenerhalt", hatte FDP-Fraktionsvorsitzende Alice Oßwald erklärt. Eine Bürgerstiftung könnte ins Leben gerufen werden, ein Brückenfest veranstaltet werden. Die Zufahrtsstraße müsse unabhängig vom Brückenabriss ohnehin gemacht werden. Selbst SPD-Fraktionschef Martin Mertens äußerte Bedenken. "Wir sind hin- und hergerissen, die Brücke ist kulturhistorisch interessant." Mit dem Abriss anfreunden konnte sich lediglich CDU-Fraktionschef Wolfang Könen: "Die Brücke ist schön", so Könen, aber: Eine Erhaltung käme aufgrund der Kosten nicht in Frage.

In der gestrigen Ratssitzung ging dann insbesondere Jupp Kirberg den Bürgermeister hart an. Der Grünen-Fraktionschef hatte bereits vor einigen Tagen eine Vertagung des Beschlussvorschlags beantragt und keilte gestern hinterher: "Ich habe mit der Unteren Landschaftsbehörde gesprochen", sagte Kirberg. Dort sei man überrascht gewesen, das Vorhaben unbekannt. Das jedoch dementierte Bürgermeister Glöckner. Er verwies auf die Dringlichkeit des Handelns, da im Brückenbereich die Verkehrssicherheit hergestellt werden müsse. Ein Ingenieurbüro hatte festgestellt, dass die Standsicherheit nicht gegeben ist. Das Bauwerk ist zudem nur für eine Last von 16 Tonnen ausgelegt. Die dort ansässige Gärtnerei Dickmann aber wird auch durch 40-Tonner beliefert. Den Ausschlag für den Abriss gaben womöglich zusätzliche Details, die die Verwaltung gestern Abend vorstellte. So soll aus dem Areal ein Blühparadies für Insekten und Vögel werden. Die Blühpatenschaft für das Erholungsgebiet — und hier schließt sich der Kreis — soll die Gärtnerei Dickmann übernehmen.

(NGZ)