Bluesrock-Festival im Kreiskulturzentrum Sinsteden

Konzertabend in Rommerskirchen : Wilder, waghalsiger Bluesrock

Das Festival „Goin´ to my Hometown“ im Kreiskulturzentrum Sinsteden war ein Volltreffer.

Schon der informative Flyer traf den Punkt. Da geht ein Musiker mit einem Wägelchen voller Musikinstrumente und einem Hund an der Leine dem Horizont zu. Weit vor ihm ist ein Braunkohlekraftwerk zu sehen. Damit ist klargestellt, wo der Blues-Rock seit langem zu Hause ist: im Rhein-Kreis Neuss. „Die Wurzeln der Bluesmusik liegen in den von der Landwirtschaft geprägten Südstaaten der USA“, gesteht Kathrin Wappenschmidt immerhin noch zu. Als gastgebende Leiterin des Kulturzentrums knüpft sie auf der Stelle Verbindungen zum Landwirtschaftsmuseum. Sehr harte Arbeit war das einst hier und dort auf den Feldern, und Bluesmusik spendete immerhin Trost.

Wer bei „Goin’ to my Hometown“ in Sinsteden auftritt, darum kümmern sich die engagierten und kenntnisreichen Organisatoren Ulrich und Wilhelmine Weidenhaupt. Wichtige Unterstützung liefert Christoph Esser als Elektromeister. Diesmal gaben in der Blues-Szene besonders profilierte Musiker ihr Stelldichein: Sophie Reed, Shakedown Tim & The Rhythm Revue und die Krissy Matthews Band, deren Namen in den Ohren der Gäste allein schon Melodie und Rhythmus evozieren. Man muss ihre Musik mögen und auch Gefallen an ihrem verwegenen Outfit finden, dann ist die Welt in Ordnung und ein anregender Abend garantiert.

Sofie Reed, ein Paradiesvogel der Blues-Szene, aus Schweden stammend und in den USA wie auf dem ganzen Globus heimisch, wirbelte als phänomenales Unikat der internationalen Blues-Roots-Szene über die Bühne. Mit einer Mundharmonika legte sie los und setzte ihre metallisch-kraftvolle Stimme in den waghalsigsten Modulationen ein. Ungewöhnlich war auch ihre Instrumentierung mit Mountain Dulcimer, Lap Steel Gitarre und Ukulele, was sofort an Marylin Monroe denken ließ.

Die belgische Retroband Shakedown Tim & The Rhythm Revue stand der Starterin nicht nach. Ihr Rhythm & Blues im Stil der 50er Jahre war so recht geeignet für ihren ureigenen Vintage-Sound. Dabei waren die musikalischen Vorbilder T-Bone Walker, Robert Lockwood und Earl Hooker unüberhörbar.

Die dreiköpfige britische Krissy Matthews Band bestach mit der Dreier-Besetzung Gitarre, Bass und Drums und hatte in dramaturgischer Steigerung einige sehr wilde Auftritte. Besucherin Kirsten war sich sicher: „Meine Entdeckung des Abends ist Sofie Reed.“

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