Rommerskirchen: Blues im Zeichen der Frau

Rommerskirchen: Blues im Zeichen der Frau

Mit einem "Special" widmete sich die Reihe der "Power-Blues"-Konzerte im Kulturzentrum Sinsteden am Samstag ganz dem Thema Frau: Die Band "Blues Delivery" bot mitreißende Interpretationen.

Denkt man an Blues, dann hat man dabei meistens eine Akustikgitarre und eine raue, tiefe männliche Stimme im Kopf. Und in der Tat, es waren meist Männer, die dem Blues ihren Stempel aufgedrückt haben und neue Stilrichtungen entwickelten. Dennoch, auch dem schönen Geschlecht kommt in der Blues-Musik ein nicht zu unterschätzende Rolle zu.

Anlässlich des internationalen Frauentages, der am 8. März gefeiert wurde, hatte das Kreiskulturzentrum in Sinsteden in Zusammenarbeit mit Ulrike Kreuels, der Gleichstellungsbeauftragten des Rhein-Kreises Neuss, ein "Power-Blues-Special" unter dem Titel "Women of the Blues - Blues of the Women" organisiert. Daher stand am Samstag die seit 1978 bestehende Blues-Formation "Blues Delivery" auf der Bühne. Mittelpunkt der Band war, nicht nur aufgrund des Themas, der weibliche Part: Sängerin Andrea Porten, die mit ihrer durchdringenden Stimme beeindruckte. Sie verfügte über ein gewaltiges Stimmspektrum, von sehr hoch bis unglaublich tief, wobei es ihr mühelos gelang, blitzschnell von einem Extrem ins andere zu wechseln. Präsentiert wurden natürlich Songs und Interpretationen weiblicher Blues-Stars, beispielsweise "Elisabeth Schmitz", wie Sänger und Gitarrist Werner Weber die Blues-Legende Bessie Smith liebevoll eindeutschte, bevor deren Version des "St. Louis Blues" erklang.

Der Song "My Handy Man" sei für den Weltfrauentag geschrieben worden, scherzte Andrea Porten, "auch wenn es den damals noch gar nicht gab". Das Stück selbst, ein schleppender Song, bei dem erneut der Gesangspart von Porten beeindruckte, nur von einer Gitarre begleitet die mehr Rhythmus- als Begleitinstrument war. Doch sollten im Laufe des Abends auch die durch den Gesang manchmal etwas in den Hintergrund geratenen Instrumente noch in ausreichender Form zur Geltung kommen. Bassist und Gitarristen überzeugten mit lang andauernden Soli, die Musik wechselte zwischen stimmungsvollem, rockigen Blues und langsamen, schwermütigen Passagen, in denen die einzelnen Akteure ihr Können voll und ganz ausspielen konnten: Musik zum Genießen, zum Feiern und Tanzen.

Vielleicht spiegelte dieses abwechslungsreiche Programm auch den Charakter des Weltfrauentages wieder, der sowohl freudiger Anlass ist als auch Erinnerung an fortbestehende Missstände. Gegen Ende jedenfalls war aus der anfänglich verhaltenen Menge ein munter schwofender Haufen geworden, so dass sogar Sängerin Andrea Porten ihren Platz auf der Bühne verließ, um sich einen Tanzpartner aus dem Publikum zu suchen.

(NGZ)