Rommerskirchen: Bischof in Lambertuskapelle

Rommerskirchen: Bischof in Lambertuskapelle

Zum Abschluss seiner Visitation in Rommerskirchen hielt Weihbischof Rainer Woelki gestern eine Andacht in der Lambertuskapelle. Er ist wohl der ranghöchste Geistliche, der dort jemals einen Gottesdienst gefeiert hat.

Gut möglich, dass es ein historisches Ereignis war: Mehr als ein Jahrtausend alt sein dürfte die Lambertuskapelle. Doch darüber, dass in ihr schon einmal ein Bischof einen Gottesdienst gefeiert hat, gibt es weder schriftliche Zeugnisse, noch sind Zeitzeugen vorhanden. Das galt bis gestern: Der Kölner Weihbischof Rainer Maria Woelki hielt am letzten Tag seiner aktuellen Visitation am Gillbach eine Andacht in dem mit gut 50 Besuchern voll besetzten Gotteshaus. Die Lambertuskapelle gilt als ältestes Bauwerk im Kreisgebiet.

Diese Auffassung jedenfalls vertritt Professor Hans Georg Kirchhoff, den die Gemeinde jüngst mit ihrem Romaricus-Kulturpreis ausgezeichnet hat. Zu finden ist die Kapelle in dem 1997 erschienenen Standardwerk von Alfred Boele, in dem dieser zu dem Schluss kommt, dass die Lambertuskapelle im neunten, spätestens aber im zehnten Jahrhundert erbaut wurde.

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"Das Erbe unserer Vorfahren ist eine Verpflichtung für uns", sagte der Weihbischof. Geschichtsträchtig sollte es auch in der Andacht selbst weitergehen, doch die eigentlich geplante Segnung eines aus dem Jahr 1483 stammenden Altarbilds musste ausfallen, da dieses noch restauriert wird. Stattdessen segnete der Bischof ein 170 Jahre altes Wegekreuz am Ramrather Hof. Wie auch das Altarbild, stammt das Kreuz vom früheren Hof der Familie Decker in Pesch bei Erkelenz. Der Tagebau Garzweiler II machte vor einigen Jahren deren Umsiedlung nach Ramrath nötig, wo die Familie seither den Ramrather Hof betreibt. Dessen Ursprünge übrigens gleichermaßen weit in die Historie zurückreichen, gehörte doch die Lambertuskapelle zum Hof.

Auf diesem traf sich Woelki mit Vertretern der Landwirtschaft: In dem von Monsignore Franz Josef Freericks moderierten Gespräch hatte die Aktualität schnell die Oberhand gewonnen. Auch wenn der Dioxinskandal in der Region keine große Rolle spielt, sieht der Weihbischof ihn als Symptom: Woelki zufolge sollte es darum gehen, eine "gesellschaftliche Umkehr in Richtung auf nachhaltige und artgerechte Tierhaltung" einzuleiten. "Mein Reichtum besteht nicht darin, jeden Tag ein Steak auf dem Teller zu haben", so der Weihbischof bei dem Gespräch, an dem Ortslandwirt Karl Schütz und Wolfgang Wappenschmidt als Chef der Kreisbauernschaft ebenso teilnahmen wie Grevenbroichs Vizebürgermeister Bertram Graf Nesselrode. In Rommerskirchens Nachbarstadt ist Woelki ab heute zwecks Visitation zu Gast. Das Fazit seines Besuchs bei den Rommerskirchener Katholiken fällt positiv aus: "Ich bin dankbar, so viele engagierte Menschen zu treffen, die versuchen, Rommerskirchen aus dem christlichen Glauben heraus zu gestalten."

(NGZ)
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