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Rommerskirchen: Biogas: Politik hat deutliche Bedenken

Rommerskirchen : Biogas: Politik hat deutliche Bedenken

Die SPD lehnt eine Biogasanlage in Widdeshoven rundweg ab. Die CDU und die drei kleineren Fraktionen wollen noch weitere Informationen, ehe sie sich festlegen. Unter dem Strich fallen die Reaktionen verhalten bis skeptisch aus.

Die Firma ANEGI will am Ortseingang von Widdeshoven eine Biogasanlage bauen. Wie Geschäftsführer Thomas Kracke gegenüber der NGZ sagte, strebt das Unternehmen ein gesetzlich privilegiertes Verfahren an, bei dem der Rat der Gemeinde außen vor bliebe. Ob es dazu kommt, ist derzeit noch offen. Nach Auskunft des Rhein-Kreises Neuss ist durchaus auch ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz möglich, bei dem die Gemeinde dann doch beteiligt würde.

Thomas Kracke hat die Fraktionsvorsitzenden über die Pläne der Willicher Firma informiert. Bei den Politikern ergibt sich noch kein einheitliches Bild, es herrscht eine gewisse Skepsis vor. Die SPD lehnt das Vorhaben nach den Worten ihres Fraktionsvorsitzenden Martin Mertens entschieden ab: "Biogas ist mit Sicherheit eine zukunftsfähige Form der Energieerzeugung. Diese darf jedoch nicht zur Belästigung der Menschen vor Ort führen", sagt der Sozialdemokrat. Bereits jetzt leiste Rommerskirchen einen großen Beitrag für die Energiewende, zum Beispiel durch neue Hochspannungsleitungen und etliche bestehende Windkraftanlagen. "Eine Biogasanlage in dem von der Firma ANEGI geplanten Ausmaß wäre für die Menschen in Widdeshoven, Evinghoven und Ueckinghoven eine enorme Belastung und nicht hinnehmbar", betont Mertens.

CDU-Fraktionschef Stephan Kunz zufolge "haben wir uns in einer Fraktionssitzung aus erster Hand informiert". Bei einem Gespräch mit Thomas Kracke hätten sich "neben der ortsnahen Bebauung weitere Bedenken hinsichtlich der Zuwegung" ergeben, so Kunz. Die CDU will das Thema im Rat erörtern: "Wir haben gestern die Verwaltung gebeten, dies in die Tagesordnung für die nächste Ratssitzung aufzunehmen", sagt Kunz. Endergebnis müsse sein, "dass das Wohl der Allgemeinheit über Einzelinteressen steht, um Gefahren und Beeinträchtigungen der Wohnqualität für die Bürger in Widdeshoven und Evinghoven abzuwenden", erklärt der Christdemokrat.

Verhalten äußert sich die UWG-Fraktionsvorsitzende Ulrike Sprenger: "Wir wissen nicht, was dort wirklich geplant ist und haben erst am 10. Juli ein Informationsgespräch mit der Firma ANEGI." Hauptkriterien für die Wählergemeinschaft sind etwaige Belastungen der Einwohner und die Verwendung von Mais, die ANEGI zufolge deutlich zugunsten von Pferdemist zurückgefahren werden soll. Auch die FDP will vor einer Festlegung weitere Informationen: "Grundsätzlich möchte die FDP nichts, was unsere Bürger belastet, so etwa Geruchsbelästigung oder vermehrtes Verkehrsaufkommen", sagt Fraktionschefin Alice Oßwald. Bündnis 90/Die Grünen sind skeptisch, doch will Parteichef Frank Münten vor einer Festlegung noch weitere Informationen. "Erneuerbare Energien sind für die Energiewende natürlich wichtig. Doch man muss auch an die Belastungen der Anlieger denken", sagt er. Dies gelte sowohl hinsichtlich des Verkehrs als auch einer möglichen Geruchsbelästigung.

(NGZ)