Bauwillige übernachteten im Rathaus von Rommerskirchen

Rommerskirchen: Begehrte Baugrundstücke: Rathaus-Camper warteten unverdrossen

Bis zu zwei Wochen lang übernachten Grundstücksinteressenten im Rathaus. Gestern konnten sie sich ihre Kaufoptionen für das Gebiet Gillbachstraße II sichern. Dort kann frühestens ab Februar 2019 gebaut werden.

Ein bis zwei Übernachtungen im Rathaus waren lange die Regel, inzwischen werden beim „Rathaus-Campen“ anlässlich des Abverkaufs gemeindeeigener Grundstücke stets neue Rekorde aufgestellt: Der erste Interessent für eines der gerade einmal zehn Grundstücke im neuen Baugebiet Gillbachstraße II hatte schon gut 14 Tage vor dem gestrigen Verkaufstermin im zweiten Stock des Rathauses an der Bahnstraße Quartier gemacht. Dort waren seither Feldbetten, Schlafsäcke und Luftmatratzen für Mitarbeiter und Besucher der Verwaltung ein seit langem vertrautes Bild.

Der für gestern anberaumte erste Verkaufstermin für die gemeindeeigenen Grundstücke war traditionell Kaufinteressenten mit engem Bezug zu Rommerskirchen vorbehalten. Dies gilt etwa für einen 33-jährigen Jüchener, der eine Rommerskirchenerin geheiratet hat, die im Internet auf den Verkaufstermin aufmerksam wurde. Nachdem sich die Eltern zweier Kinder entschlossen hatten, mischte auch er sich frühzeitig unter die Camper: Die meisten von ihnen hatten mindestens drei bis vier Nächte hinter sich, bis gestern der lang ersehnte Stichtag erreicht war.

Die Kaffeemaschine blieb während der vergangenen Tage im Dauerbetrieb, ein Fernseher wurde indes nur für den sonntäglichen „Tatort“ benötigt; berichtet der Noch-Jüchener. Bedauert hat er das lange Ausharren am Ende nicht: „Ich würde es immer wieder so machen“, meinte der designierte Neu-Rommerskirchener. Wie er sieht es auch ein 32-jähriger Grundstückskäufer aus Düsseldorf als überaus erfreulichen Begleitumstand an, schon „im Vorfeld gute Nachbarschaft“ üben zu können. Sogar auf einen Geburtstag konnten die einander zuvor zumeist unbekannten „Rathaus-Camper“ am Vorabend des Verkaufstags bereits anstoßen.

Nahezu alle konnten auf die Unterstützung von Familienmitgliedern zählen: Ehepartner wechselten sich ab. Eine Eckumerin übernahm den „Wartedienst“ einige Stunden lang für ihren bauwilligen Sohn, und nur die wenigsten mussten Tag und Nacht selbst ausharren.

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Die besten Nerven hatte definitiv der zehnte und letzte Kaufinteressent, der sich erst am Montag zu den Campern gesellte, ohne eine einzige Nacht im Rathaus verbracht zu haben. Zwei Bauaspiranten waren die vollen zwei Wochen vor Ort, in sieben Fällen reichten ebenso viele Tage. Der „Frühstart“ mag durchaus damit zusammen hängen, dass drei Grundstücke mit unmittelbarem und unverbaubarem Blick auf die Gillbachaue besonders begehrt waren.

„Alle sind zum Zuge gekommen“, berichtete Rathaussprecher Elmar Gasten gestern vom erfolgreichen Ende der Aktion, bei dem alle Camper Kauf- oder Optionsanträge für eines der zehn Grundstücke unterschrieben haben. Auch wenn die damit eigentlich vergriffen sein sollten, wird es kommende Woche einen zweiten Termin für Interessenten geben, die bislang keinen Bezug zur Gemeinde hatten. Erfahrungsgemäß nämlich wird der eine oder andere Kaufwillige kurzfristig doch einen Rückzieher machen.

Bürgermeister Martin Mertens kündigte nach Gesprächen mit den Campern an, über ein weniger stressiges Prozedere nachzudenken, wo Anwartschaftsrechte schon frühzeitig gesichert werden können, ohne dass künftig im Vorfeld des Verkaufstermins noch eine dauerhafte Anwesenheit erforderlich wäre.

Baubeginn soll im Februar 2019 sein - wobei natürlich auch das Wetter eine Rolle spielen wird. Die „Rathaus-Camper“ schließlich müssen sich zuvor um ein paar unerlässliche Dinge wie Bauberatung, Finanzierung, Notarvertrag und Bauantrag kümmern.

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