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Rommerskirchen: Aus Frixheim in die Literaturszene

Rommerskirchen : Aus Frixheim in die Literaturszene

Matthias Gerhards, der am Gillbach aufgewachsen ist, hat den Roman "Gott ist kein Zigarettenautomat" veröffentlicht.

Er war 13 oder 14 Jahre alt, saß auf der Kellertreppe der damaligen Rommerskirchener Hauptschule und fand sein Leben schrecklich. Damals entdeckte Matthias Gerhards "die Literatur als Ausweg aus meiner Misere". Wobei er von Beginn an auch große Kaliber wie Max Frisch oder Franz Kafka nicht scheute. Aus dieser Zeit rührt der Wunsch, Schriftsteller zu werden. Den hat sich der inzwischen 44-Jährige verwirklicht: Vor einem Monat erschien im Knaus-Verlag (Random House) sein Roman "Gott ist kein Zigarettenautomat".

2009 hat Gerhards mit der Arbeit an dem Buch begonnen, mit dem er zu verarbeiten versuchte, "was ich in der Jugend erlebt habe". Auch wenn autobiografische Elemente und Lokalkolorit nicht fehlen, ist Gerhards' Erstling kein Schlüsselroman geworden. Das Buch erzählt die Geschichte eines 14-Jährigen, dem 1986 seine Welt in Trümmer geht — wobei die dem Braunkohlebagger zum Opfer fallenden Dörfer wie das alte Garzweiler so etwas wie die Hintergrundmetapher bilden. Die Mutter ist Alkoholikerin, ein Vater nicht vorhanden und seinen Bruder findet der Protagonist tot im Bach vor. Dennoch ist es kein trostloses Buch geworden. Es endet sogar verhalten hoffnungsvoll, denn der Junge findet eine Pflegefamilie.

"Mich interessieren die großen Themen wie Liebe, Tod, Heimat und Sterben", sagt Gerhards, für den eine "gewisse Leichtigkeit" dem Ernst der Themen keineswegs Abbruch tun muss. Tragische und komische Aspekte miteinander zu verbinden, ist für ihn Programm: Einer seiner Lieblingsschriftsteller ist denn auch der hierauf spezialisierte irische Autor Roddy Doyle. Für entsprechende Prägungen verantwortlich sein mag auch der "Abenteuerliche Simplicissimus", den Gerhards einst in der Katholischen Bücherei Nettesheim entdeckte: Das Grauen des 30-jährigen Krieges kommt darin ebenso wenig zu kurz wie das — zuweilen auch im Halse stecken bleibende — Lachen.

Gerhards wechselte später zum heutigen Bettina-von-Arnim-Gymnasium. In Köln studierte er Philosophie und Germanistik. Drei Jahre lang lebte er später in Budapest, wo er IT-Chef eines Versicherungsunternehmens war. Da ihm hierarchische Managementstrukturen nicht liegen, lebt er heute mit seiner Frau und den beiden Söhnen — ein weiterer Sohn stammt aus einer früheren Beziehung — als selbständiger Software-Entwickler in Mettmann.

Die Schriftstellerei will er beruflich betreiben: Bestärkt hat ihn darin die Aufnahme seines Manuskripts beim Knaus-Verlag. "Es wurden im Grunde nur drei Sätze geändert", sagt Gerhards nicht ohne Stolz. Inzwischen schreibt er an der Fortsetzung von "Gott ist kein Zigarettenautomat". Darin unternimmt sein Protagonist eine Deutschland-Reise. "Ich bin inzwischen bei der magischen Seite 100 angekommen, ab der es ein Roman wird und keine Erzählung mehr ist", sagt der Autor, der sich eine eiserne Schreibdisziplin auferlegt hat und morgens um 6 Uhr am Schreibtisch sitzt.

(NGZ)