Anstel: Rätsel der "Schindskul" gelöst

Geschichtsschreibung: „Schindskul“: Abfallgrube statt Scheiterhaufen

Ingeborg Mahr, Wilfried Jochemich und nicht zuletzt Josef Schmitz haben jetzt einem alten Schauermärchen jede Grundlage entzogen.

Mit ein wenig Pathos ließe sich von einem Sieg der Aufklärung sprechen. Nüchtern gesagt wurde einem Schauermärchen der Garaus gemacht, das in Anstel durch etliche Generationen kolportiert wurde, insbesondere bei Kindern einen großen Eindruck hinterlassen hat. Das Körnchen Wahrheit an der Geschichte besteht einzig darin, dass Anstel lange der von Schloss Hülchrath aus ausgeübten Gerichtsbarkeit unterstand. Die „Schinskuhl“ oder „Schindskuhle“ - Schreibweise und Aussprache variieren zuweilen - ist kein Ort, an dem aus Hülchrath verbrachte Hexen gefoltert und verbrannt, sondern eine Grube, in der Tierkadaver entsorgt wurden. Umgetrieben hat das Rätsel der „Schin(d)skuhl(e)“ Ingeborg Mahr schon seit Kindesbeinen, ohne dass sie jemals eine befriedigende Antwort erhalten hätte. Die fand sich, als sie sich im Sommer an WDR-Reporter Hamzi Ismail wandte. In dessen Sendung „Hamzi 'ne Frage?“ verriet jetzt Lokalhistoriker Josef Schmitz des Rätsels Lösung. Schmitz konsultierte den Klassiker von Adam Wrede „Neuer Kölnsicher Sprachschatz“ und fand unter dem Stichwort mit der wiederum abweichenden Schreibweise „Schindskul“ die Erläuterung: Demnach handelt es sich um eine „Grube für Tierkadaver, verendete Tiere, gefallenes Vieh“, die letztlich auch als Abfallgrube genutzt wurde. Und das immerhin bis 1933, wie Hamzi Ismails Recherchen ergaben. Eine regelmäßige Müllabfuhr gab es nämlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch nicht, sagt der promovierte Historiker Schmitz, der zurzeit an einer Ortschronik von Anstel arbeitet. Heute ist die Schindskul ein Angelteich auf dem Gelände der Wasserburg, die sich seit gut 100 Jahren im Besitz der Familie Jochemich befindet. Wilfried Jochemich hat die Hexengeschichte niemals geglaubt. Auf der Tranchotkarte von 1806 nämlich war die Schindskuhl noch nicht verzeichnet, folglich kann sie kaum Jahrhunderte vorher für welchen Zweck auch immer genutzt worden sein. Jochemich vermutet, dass sie zu Beginn des 20.Jahrhunderts angelegt wurde. Er selbst kann sich erinnern, dort als Kind viel gespielt zu haben. Ganz im Gegensatz zu Ingeborg Mahr übrigens: „Wir durften als Kinder da nie hin“, erinnert sie sich.

„Es war eine spannende Zeit“, sagt sie mit Blick auf den Entstehungsprozess des jetzt ausgestrahlten Films. Besonders beeindruckt hat Ingeborg Mahr der Aufwand, der für die Entstehung des nicht einmal vier Minuten langen Films nötig war. „Die Dreharbeiten haben den ganzen Tag gedauert“, erinnert sie sich an den 3. September, der zudem auch noch der Kirmesmontag war. Wenngleich ihr das Lösen des Rätsels ebenso wie die Dreharbeiten viel Spaß gemacht haben, eine weitere Erkenntnis hat sie auch gewonnen: „Schauspielerin möchte ich nicht werden.“

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