Andrea Koltermann engagiert sich für Flüchtlinge

Flüchtlingshilfe : Den Flüchtlingen eine eigene Stimme geben

Die Logopädin und Sprachtrainerin Andrea Koltermann will Flüchtlingen auch als Bloggerin helfen.

Der Gedanke, sich in der Flüchtlingshilfe zu engagieren, hat Andrea Koltermann schon längere Zeit beschäftigt. Die Frage, wie sie dies am effizientesten und sinnvollsten tun könnte, hat sich für sie im Sommer schlagartig beantwortet.

Von einer Bekannten bekam sie im Juni den Tipp, sich an die norwegische Hilfsorganisation „Drapen i Havet“ (Tropfen im Ozean) zu wenden. Die 2015 gegründete Organisation mit aktuell 23.000 Mitgliedern hat seither mehr als 4000 freiwillige Helfer rekrutieren könne, die in griechischen Flüchtlingslagern aktiv wurden, in denen die Situation für Flüchtlinge als besonders kritisch gilt.

Für Andrea Koltermann war die Entscheidung damit gefallen. Im Juni fasste sie den Entschluss, im Juli hat sie gebucht, und vom 9. bis 23. August hat sie im Flüchtlingslager von Nea Kavala im Norden Griechenlands englischen Sprachunterricht gegeben. Was für sie naheliegend ist: Nachdem sie lange Zeit in Rommerskirchen eine Praxis für Logopädie betrieb, arbeitet Andrea Koltermann inzwischen als Sprachcoach und will „Menschen, die gehört und verstanden werden wollen, eine Stimme geben“. Dies ist insbesondere für die Flüchtlinge nötig, ist sie überzeugt. Wobei die Probleme schon damit anfangen, dass die in Nea Kavala untergebrachten Flüchtlinge in ihrer großen Mehrzahl aus Syrien stammen und nicht einmal ansatzweise mit dem lateinischen Alphabet vertraut sind.

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In ihrem Programm für absolute Anfänger galt es schließlich auch, die lernwilligen Schüler(innen) daran zu gewöhnen, dass nicht von rechts nach links geschrieben wird wie im Arabischen.

Etwa 750 Menschen leben in dem Flüchtlingscamp und sind in Containern untergebracht. „Es sieht dort aus wie auf einem etwas schäbigen Campingplatz“, erzählt Andrea Koltermann, wohl wissend, dass die äußeren Bedingungen in anderen Lagern noch weitaus schlimmer sind. Die Perspektive der in Nea Kavala lebenden Menschen sei „katastrophal und wird immer katastrophaler“, sagt die Nettesheimerin, die darauf verweist, dass viele Bewohner des Lagers schon seit zwei Jahren darauf warten, wie es für sie in oder außerhalb Griechenlands weitergeht. Während der beiden Wochen, in denen sie sich dort aufhielt, herrschten dort sommerliche Temperaturen von 32 Grad. Gefürchtet wird allerdings der Winter, in dem das Barometer auch schon mal auf fast 20 Grad minus sinken kann, was die Helfer vor neue Herausforderungen stellt.

Andrea Koltermann kann sich gut vorstellen, noch einmal nach Nea Kavala zurückzukehren, doch auch von Deutschland aus lässt sich einiges für die Flüchtlinge tun. „Im Nachhinein möchte ich möglichst vielen Menschen bewusst machen, dass es sich beim Thema Flüchtlinge nicht nur um eine Krise handelt, sondern um Menschen, die unfreiwillig in eine fast ausweglose Lage geraten sind.“ Über ihre Erfahrungen berichtet sie seit einigen Wochen regelmäßig auch als Bloggerin (andrea-koltermann.de).

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