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Rommerskirchen: Am Nettesheimer Weg wird weiter gebaut

Rommerskirchen : Am Nettesheimer Weg wird weiter gebaut

Die Arbeiten im Baugebiet Nettesheimer Weg können weitergehen. Eine Untersuchung hat ergeben, dass es keine Feldhamstervorkommen in diesem Bereich gibt. Wegen des Verdachts wurden die Arbeiten im Herbst gestoppt.

Die im Herbst vergangenen Jahres stillgelegten Arbeiten im Baugebiet Nettesheimer Weg können weitergehen. Eine in Regie der Biologischen Station in Knechtsteden vorgenommene Untersuchung hat ergeben, dass es in dem Bereich offensichtlich keine Feldhamster gibt. "Auf den untersuchten Flächen waren keine Bauten zu finden", lautet das Fazit von Michael Stevens, dem Leiter der Biologischen Station, nachdem er das Gebiet vor wenigen Tagen in Augenschein genommen hatte.

Ursächlich für die vorläufige Unterbrechung der Bauarbeiten vor einigen Monaten war eine im Rahmen des Bauverfahrens nötige Untersuchung, bei der die Experten zu dem Schluss kamen, es sei "nicht auszuschließen", dass in diesem Bereich Feldhamster leben. "Allein die Vermutung reicht aus", sagt Carsten Friedrich, Leiter des Grundstücksmanagements im Rathaus. So musste zunächst der Winterschlaf des streng geschützten Nagers abgewartet werden, ehe jetzt die nötige Sicherheit geschaffen werden konnte, dass es ihn am Nettesheimer Weg nicht gibt. Dass er in der bereits bebauten Umgebung heimisch sein könnte, schließen die Experten aus.

Am Wochenbeginn sind gleich gegenüber der Gillbachschule die Bagger ans Werk gegangen. Sie erledigen eine der weiteren nötigen Vorarbeiten: In unmittelbarer Nähe waren 2005 600 fränkische Gräber gefunden worden. Eine archäologische Sensation, die die Gemeinde indes teuer zu stehen kam: Neben einer mehr als zwei Jahre währenden Verzögerung der damaligen Bauarbeiten hatte sie auch die Kosten der Ausgrabungen zu tragen. Schon bei der Aufstellung des jetzigen Bebauungsplans im vergangenen Sommer hatte sich Manfred Hundt, der Beauftragte der Gemeinde für die Bodendenkmalpflege, zu Wort gemeldet: Für Hundt wäre es "naheliegend", wenn auch jetzt zumindest einzelne Gräber aus der Zeit zwischen dem fünften und siebten Jahrhundert gefunden würden — wenngleich kaum die Dimension von 2005 erreicht werden dürfte. Überdies hält Hundt auch Funde aus der Jungsteinzeit (5500 bis 2200 vor Christus) für möglich, vielleicht sogar Siedlungsreste. Laut Rathaussprecher Elmar Gasten ist jetzt damit begonnen worden, "einen ersten Suchschnitt anzulegen".

Sind sämtliche nötigen Vorarbeiten erledigt, sollen am Nettesheimer Weg weitere 67 Häuser entstehen. Auch wenn es den Feldhamster dort nicht gibt, wird er in der Gemeinde so bald nicht verschwinden. Dafür sorgt unter anderem das Projekt "Feldhamsterschutz in Mitteleuropa" der Rise-Foundation in Brüssel. Nachdem im Butzheimer Bruch 2004 das größte Feldhamstervorkommen in NRW entdeckt worden war, verschwand der possierliche Nager in den folgenden Jahren zunehmend. Das soll sich in absehbarer Zeit wieder ändern. Im Bruch sollen Carsten Friedrich und Bürgermeister Albert Glöckner zufolge Feldhamster aus einem in den Niederlanden laufenden Zuchtprogramm angesiedelt werden — was auch im Nettesheimer Weg der Fall gewesen wäre, wenn sich dort handfeste Spuren für die Existenz der Tiere gefunden hätten. Auch wenn in diesem Jahr wohl keine Zuschüsse der EU fließen dürften, wird es keinen Stillstand geben: Die Biologische Station arbeitet Carsten Friedrich zufolge weiter "an einzelvertraglichen Regelungen mit den Landwirten", um im Butzheimer Bruch wieder ein für die Feldhamster günstigeres Umfeld zu schaffen.

(NGZ/ac)