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Zweiter Bürgerbus in der Gemeinde Alpen startet

Mobilität in Alpen : Freie Fahrt für Bürgerbus in Menzelen

Die Pastöre der beiden Alpener Kirchengemeinden haben am Aschermittwoch das nagelneue Fahrzeug eingeweiht. Danach nahm der Verein den Schlüssel in Empfang. Am Montag um 9 Uhr zündet der Motor auf dem Markt in Menzelen-Ost.

Gut zwei Jahre Anlauf hat es gebraucht. Aber am Montag, 2. März, geht der zweite Bürgerbus in der Gemeinde Alpen – 20 Jahre nach dem Vorläufer der Vorläufer – auf Tour und strickt das Mobilitätsnetz auf dem Lande deutlich engmaschiger. Auch Menzelen-Ost und -West sowie Drüpt und Bönning-Rill liegen beim Nahverkehr nicht länger im Schatten. Hier hält der nagelneue Mercedes Sprinter mit dem amtlichen Kennzeichen WES - NI 137 mit Platz für acht Passagiere im Zwei-Stunden-Takt. Gefeiert wurde schon. Am Aschermittwoch segneten die Pfarrer der beiden Kirchengemeinden, Dietmar Heshe (St. Ulrich) und Hartmut Becks, das Fahrzeug ein.

 Becks betonte, dass die Segnung eines Fahrzeugs gerade heute „keine Folklore, sondern etwas Wichtiges“ sei. Im Zeitalter von Corona erkenne der zur Selbstüberschätzung neigende Mensch, „dass er gar nichts im Griff hat“, wie er immer behaupte. Deshalb sei die Segnung „nicht irgendein Tam-tam“ sondern eine ernsthafte Handlung, sich unter göttlichen Schutz zu begeben. Auch sein katholischer Amtskollege Dietmar Heshe sprach nach der Weihe ein Gebet und bat um göttlichen Beistand für Fahrgäste und Fahrer und wünschte „allzeit gute Fahrt“.

Wie sehr auch Alpens Bürgerbusvereine sich im christlichen Glauben verankert sehen, unterstrich Gastgeber Edgar Giesen. Er nannte den Segen ein „bedeutendes Symbol“. Auch sein Kollege von der Buslinie Alpen/Veen, Josef van Beek, sieht sich in dieser Tradition. Er brachte als Geschenk einen Umschlag „mit etwas Wechselgeld“ und einen Christophorus fürs Cockpit mit.

Den eher weltlichen Part übernahm Bürgermeister Thomas Ahls, der im Namen von Rat und Verwaltung Glückwünsche überbrachte und bei der Gelegenheit erneut seine Wertschätzung für die „ehrenamtliche Bewegung“ in Alpen zum Ausdruck brachte. Sein Dank galt vornehmlich den 28 Leuten, die sich künftig „ein bis zwei Mal im Monat für einen halben Tag ans Steuer setzen“, damit die, die nicht auf ein eigens Auto zurückgreifen und nicht mal eben eine überörtliche Buslinie besteigen können, beweglich sind.

Vize-Landrat Heinrich Heselmann (Wesel) lobte das Verdienst der Bürgerbusvereine, dafür zu sorgen, dass „auch dünner besiedelte Bereiche, für die kein Linienbus finanzierbar ist, ins Verkehrsnetz eingebunden werden“. Das wiederum veranlasste später den SPD-Landtagsabgeordneten René Schneider zu der politischen Forderung, dass Bürgerbusse nicht als Wegbereiter für politische Entscheidungen missbraucht werden dürften, „sich aus der Fläche zu verabschieden“.

Bürgerbus-Vorsitzender Edgar Giesen dankte Kreis, Niag und Gemeinde für den Anschub des Projektes sowie den Sponsoren, die mit ihrem Geschäftslogo auf der Karosserie zum Gelingen des Projekts beitragen. Dabei schlüpfte Giesen kurz in die Rolle des Ortsvorstehers von Menzelen. Er nutze die Anwesenheit von Kaufmann Thomas Luft, die Sehnsucht der Menzelener nach einem Edeka-Markt an der B 57 zu bekräftigen. Er hoffe, dass Kunden hier spätestens im nächsten Jahr an der Bundesstraße „endlich mit dem Einkaufswagen unterwegs sind“.

Der Bus startet am Montag, nachdem er seine Garage im DRK-Zentrum, Neue Straße, verlassen hat, um 9 Uhr am Markt in Menzelen-Ost zur Jungfernfahrt. Am Steuer sitzt ein Mann aus Alpen: Peter Nienhaus, den man auch als Vorsitzenden der Grünen kennt, macht mit dem Diesel der neuester Generation die ersten Kilometer.