Rheinberg: Zeichen der Erinnerung

Rheinberg: Zeichen der Erinnerung

Mehr als 150 Menschen verfolgten am Samstagvormittag die Verlegung der ersten Stolpersteine in Rheinberg. Der Aktionskünstler Gunter Demnig arbeitete sie vor den Häusern Gelderstraße 22 und 33 in das Pflaster ein.

Eine Stunde dauerte es, bis die zehnmal zehn Zentimeter großen Stolpersteine in das Pflaster der Gelderstraße verlegt waren. Bereits seit zwölf Jahren ist der Künstler Gunter Demnig in Deutschland und Europa unterwegs, mehr als 20 000 Stolpersteine gegen das Vergessen hat er seitdem vor ehemaligen Wohnungen und Häusern von Opfern der NS-Zeit verlegt.

Vier solcher Stolpersteine erinnern nun auf der Gelderstraße 22 an die Familie Silberberg, die bis zur Reichspogromnacht im November 1938 das damalige Kaufhaus Köchling an der Gelderstraße 2 betrieb – heute ist dort die Deutsche Bank. Auf den Steinen stehen Namen, Geburtsjahr, das Jahr der Deportation oder Verhaftung sowie das Datum des Todes der einstmals in der Stadt sehr geschätzten und geachteten Silberbergs. "Die Namen sollen damit in die Gegenwart geholt werden", so Demnig.

Dieser bedankte sich bei den Initiatoren und berichtete von seinen Erfahrungen bei den Verlegungen. "Mich überrascht immer wieder die positive Resonanz vor allem der Jugendlichen, für sie bleiben die schrecklichen Ereignisse eine abstrakte Größe, bis sie sich auf einmal direkt mit einer bestimmten betroffenen Familie befassen", so Demnig. Besonders beeindruckt habe ihn die Aussage eines jungen Mannes: "Man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen."

Der Rheinberger Initiativkreis

Ein Jahr hatten die Vorbereitungen der 30 Teilnehmer des "Initiativkreises Stolpersteine Rheinberg" gedauert. "Wir haben in Dokumenten des Stadtarchivs und in Veröffentlichungen nach den Rheinberger Familien und ihren Schicksalen gesucht", so Luise Theile und Ernst Barten über die Recherchen. Auch der Ablauf der Verlegung wurde intensiv vorbereitet. Die Feierstunde am Samstag stieß auf große Resonanz: Mehr als 150 Bürger versammelten sich, um der Familien zu gedenken. 40 Paten hatten für die Steine gespendet, von denen einer 95 Euro kostet. Zum Dank gab es vom Rheinberger Künstler Aloys Cremers gestaltete Urkunden.

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Die sechs Steine vor dem Haus Gelderstraße 33 sind der Familie Rothschild gewidmet, drei davon erlitten ein unbekanntes Schicksal. "Manchmal sind es nur diese wenigen Daten, die von einem Menschen übrig geblieben sind", so der Budberger Pfarrer Thorsten Diesing in seiner Ansprache für die Kirchen, "umso wichtiger ist es, sich dadurch an sie zu erinnern und ihnen ihre Identität wieder zu geben."

Musik von "Klezmerpack"

Während die Musikgruppe "Klezmerpack" mit dem Ossenberger Gitarristen Christian Kretschmer und der aus Israel stammenden Sängerin Amit Schürmann mit leisen Klängen immer wieder für nachdenkliche Minuten sorgte, legten viele Bürger Blumen an den Steinen nieder. Karl-Heinz Lochen Verlas die Worte der jüdischen Gemeinde Duisburg und betonte: "Die Erinnerung versetzt die Vergangenheit in die Gegenwart und gibt ihr dadurch eine Stimme. Mit diesem Zeichen der Erinnerung werden die individuellen Geschichten aus ihrer Anonymität gerissen."

Schüler des Amplonius-Gymnasiums und der Realschule Rheinberg erinnerten mit der Verlesung von historischen Dokumenten und mit Stellwänden an Ereignisse aus der Kriegszeit. "Auch das Schicksal einzelner geht jeden von uns etwas an", so Realschüler Raphael Rodriguez (15). Einen Bericht zu den Schüleraktionen veröffentlicht die RP morgen.

(RP)
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