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Xanten/Rheinberg: Norbert Bergmann will trotz Parkinson nach Tibet

Fernweh trotz Parkinson-Erkrankung : Ein Weltenbummler träumt von Tibet

Er hat fast die ganze Welt gesehen, aber ein Land fehlt ihm noch: Norbert Bergmann war noch nie in Tibet. Dass der 82-Jährige an Parkinson erkrankt ist, macht das Vorhaben nicht leichter. Doch das Ziel steht fest.

Am liebsten würde er es gar nicht wahrhaben. Er kann schließlich noch gut laufen, ist für einen Mann von 82 Jahren durchaus fit. Aber seit drei Jahren sind die Ärzte sicher: Norbert Bergmann hat Parkinson. Er merkt es vor allem an seiner nachlassenden Gedächtnisleistung, an Artikulationsproblemen, die Außenstehenden nicht so gravierend erscheinen wie ihm selbst. Der Kalkarer, der vor zehn Jahren aus Xanten zuzog, hat sich inzwischen seiner Erkrankung gestellt. „Es wird nichts mehr besser, eher schlechter. Wenn ich nochmal reisen will, muss ich das jetzt tun“, sagt er. Und er weiß auch ganz genau, wohin es gehen soll: nach Tibet. Das hat er nämlich sein ganzes Abenteurer-Leben lang noch nicht geschafft.

„Als junger Mann war ich sechseinhalb Jahre lang am Stück unterwegs. Ich konnte damit dem Wehrdienst entkommen. Später waren es kürzere Reisen in alle Kontinente, und viele Jahre lang hatte ich die Möglichkeit, die Arbeit mit meinem Hobby zu verbinden.“ Bergmann war, nachdem das Rheinberger Unternehmen, für das er im Außendienst war, Konkurs anmeldete, die längste Zeit seines Lebens als selbstständiger Handelsreisender unterwegs. Er verkaufte chinesische Textilien im arabischen Raum. „So kam ich in alle Länder, die mich interessierten.“ Und das waren viele.

Angefangen hatte es mit einer Tour durch Afrika, längs durch den Kontinent, dann nahm er Asien in den Blick. Und die Länder im fernen Osten blieben seine Leidenschaft. Mehrfach reiste der damals noch Xantener durch Nepal und nahm sich jedes Mal vor, das unbekannte, von China besetzte Land hinter der Grenze zu erforschen. Doch bis heute hat sich an der Problematik nicht viel geändert: „Für Einzelreisende ist das kaum möglich. Man bekommt kein Visum und Gruppen werden von Chinesen begleitet, die alles genauestens überwachen. Ich war nie einer, der gerne in Gruppen unterwegs war, und schon gar nicht mit einem Aufpasser.“

Den inzwischen 84-jährigen Dalai Lama, der seit 1959 im Exil in Indien lebt, hat Bergmann ebenso persönlich kennengelernt wie die indische Ordensschwester Mutter Theresa. Einige Fotos in seiner Wohnung erinnern an diese Höhepunkte seines Lebens. Beide auch im Westen berühmten Persönlichkeiten sind Synonyme für internationale Friedenspolitik und für den Kalkarer große Vorbilder. Den Menschen nahe sein, kennenlernen statt ausgrenzen, was fremd ist – das ist auch für Bergmann eine wesentliche Motivation. Manchmal wurde es brenzlig auf seinen Reisen. 2003 zum Beispiel kam er in China mit dem SARS-Virus in Kontakt, wurde nach dem Weiterflug von Singapur nach Dubai in einem dortigen Krankenhaus tagelang isoliert. Die jetzige Sorge wegen des Corona-Virus kann er deshalb bestens nachvollziehen.

Apropos Sorge: Früher waren Norbert Bergmann Ängste aller Art fremd. In allen Kulturen hat er sich zurecht gefunden und Freundschaften geschlossen. Heute ist das anders. Die Feststellung, sich krankheitsbedingt häufig nicht adäquat ausdrücken zu können, macht ihn unsicher. „Ich merke, dass ich mich in Diskussionen nicht richtig einbringen kann, habe Angst, nicht mehr ernst genommen zu werden“, gesteht der 82-Jährige. Einen Satz zu beginnen und ihn nicht zu Ende zu kriegen, tue weh. Zumal sich Bergmann nicht einreden kann, dass es wieder besser wird – „eher schlechter“.

Deshalb weiß er nicht, ob er wirklich noch einmal alleine in die weite Welt will. Versuchsweise macht sich der Kalkarer demnächst per Linienbus nach Frankreich und Marokko auf den Weg. „Wenn das klappt, dann traue ich mich auch noch mal weiter.“

Sollte er sich dabei unwohl fühlen oder mit Situationen überfordert sein, hat der Senior eine andere Idee: „Dann hätte ich gerne einen Reisepartner, am besten eine Frau, weil ich mit der weiblichen Einstellung besser zurecht komme“, sagt er. „Leichte Assistenz“ benötige er und moralischen Zuspruch an schwierigeren Tagen. Noch gibt Bergmann seinen Traum Tibet jedenfalls nicht auf.