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Besitzer in Rheinberg: Wollten den Wald nie antasten

Besitzer in Rheinberg : Wollten den Wald nie antasten

Ein Ehepaar aus Vierbaum äußert sich im RP-Gespräch zum Wäldchen in Orsoyerberg. Das haben die Eheleute vom Wasserwerk gekauft: "Wir vestehen die Welt nicht mehr." Eine Bauvoranfrage haben die Eigentümer zurückgezogen.

Die neuen Eigentümer des in der vergangene Woche in die Schlagzeilen geratenen Wäldchens in Orsoyerberg - zwischen Schlesierweg, Bahnlinie und Siedlerweg gelegen - möchten anonym bleiben. Sie hätten schon genug Ärger deswegen und müssten sich die wildesten Geschichten anhören, erzählt das Ehepaar aus Vierbaum. Das Paar hat die 5,6 Hektar große Fläche Ende 2017 vom Kommunalen Wasserwerk gekauft und damit für viele Spekulationen gesorgt. Die RP hat sich mit den beiden Rheinbergern vor Ort getroffen.

Sie seien im Urlaub von der Nachricht überrascht worden, dass sich eine Bürgerinitiative zur Rettung des Waldes gegründet habe und eine Unterschriftenaktion initiiert worden war, an der sich bisher bereits 110 Bürger beteiligt haben (wir berichteten). "Wir haben die Welt nicht mehr verstanden", sagt der Vierbaumer. "Vor allem fragen wir uns: Warum hat uns nicht mal irgendjemand angesprochen?"

Als gebürtiger Orsoyer habe er schon als Kind in dem Wald gespielt und habe den Kauf als eine Investition auf Vorrat gesehen. "Wir haben nie daran gedacht, die Fläche zu verändern", versichert auch die Ehefrau.

Man habe zwar Ende des Jahres eine Bauvoranfrage an die Stadt gerichtet. Doch habe sich die nur auf einen kleinen Teil des Grundstücks am Schlesierweg bezogen. Die Fläche liege in einer bereits bebauten Flucht. Diese Bauvoranfrage ist allerdings wieder zurückgezogen worden.

Inzwischen hat das Ehepaar einen Brief an das Ehepaar Reichert als Initiatoren der Bürgerinitiative geschrieben. Auch darin heißt es: "Es wurde zu keiner Zeit thematisiert, den Zustand dieses Waldstückes zu verändern bzw. einer anderen Nutzung zuzuführen."

Wenn der Initiative die Unberührtheit der Fläche so wichtig sei, "dann lade ich Sie auf dem Wege ein, Ihrem Schreiben auch Taten folgen zu lassen. Bitte unterstützen Sie uns, das Grundstück zu hegen und zu pflegen. Zäune müssen repariert, Müll muss gesammelt und entsorgt werden, Bäume beschnitten werden und vieles mehr. Diese Arbeiten können durch viele Hände und gemeinsames Schaffen kurzfristig umgesetzt werden, so dass unser gemeinsames Interesse in eine Richtung gelenkt wird."

Ihn ärgere die Doppelmoral mancher Anwohner, beklagte der Eigentümer im Gespräch mit der Redaktion. Entlang des Grundstücks sei eine zum Teil 15 Meter tiefe Schneise geschlagen worden - "von Anwohnern, denen es offenbar wichtiger ist, dass sie nicht im Schatten sitzen, als die Natur zu schützen". Dafür spreche auch der viele Grünabfall, der im Wald entsorgt worden sei. Auch deswegen ist das Tor zum Wald inzwischen verschlossen.

Erwähnt werden solle auch, dass sie 2760 Quadratmeter des Gesamtgrundstücks kostenlos an die Stadt verpachtet hätten, so die Eigentümer - damit der Fußweg entlang der Bahnstrecke öffentlich genutzt werden könne.

"Ehrlich gesagt", so der Vierbaumer, "haben wir mittlerweile den Spaß an diesem Wald verloren. Am liebsten würden wir ihn wieder verkaufen, am besten an die Stadt Rheinberg."

(up)